Die Guanchen — Ureinwohner der Inseln
Lange bevor die ersten Europäer kanarischen Boden betraten, lebten hier die Guanchen — ein Volk, das bis heute Rätsel aufgibt. Woher kamen sie? Die DNA-Analyse zeigt eindeutig: Sie stammten von den Berbervölkern Nordafrikas ab und erreichten die Inseln vermutlich zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 1. Jahrhundert n. Chr. Das eigentlich Erstaunliche: Sie besaßen keine Schiffe und keine Seefahrtkenntnisse. Wie sie über 100 Kilometer offenen Atlantik überwanden, ist eines der großen Mysterien der kanarischen Geschichte.
Die Guanchen lebten als Hirten und Bauern, hielten Ziegen und bauten Gerste an. Auf jeder Insel entwickelte sich eine eigenständige Kultur mit eigener Sprache, eigenen Gesetzen und eigener Sozialstruktur. Auf Teneriffa herrschten neun Menceys (Könige), die die Insel unter sich aufteilten. Auf Gran Canaria gab es zwei Guanartemats (Königreiche) — das von Gáldar im Norden und das von Telde im Süden. Die Guanchen mumifizierten ihre Toten in Höhlen (die berühmten Mumien im Museo de la Naturaleza y el Hombre in Santa Cruz de Tenerife sind ein Muss), lebten teilweise in Höhlensiedlungen und hinterließen rätselhafte Felsritzungen (Petroglyphen) — besonders eindrucksvoll im Barranco de Balos auf Gran Canaria.
Ihr Alltagsleben war erstaunlich entwickelt: Sie produzierten Gofio (geröstetes Getreidemehl), das bis heute das kanarische Grundnahrungsmittel ist, stellten kunstvoll verzierte Keramik her und betrieben einen komplexen Ahnenkult. Die berühmte Cueva Pintada (Bemalte Höhle) in Gáldar auf Gran Canaria zeigt geometrische Muster, deren Bedeutung bis heute umstritten ist — Kalender, Stammessymbole oder religiöse Zeichen?
💡 Tipp
Das Museo y Parque Arqueológico Cueva Pintada in Gáldar (Gran Canaria) ist das beste Museum zur Guanchen-Kultur. Unbedingt online vorbuchen — die Führungen durch die Originalhöhle sind auf kleine Gruppen beschränkt.