Der Tourismus-Boom (ab 1960)
Die Transformation der Kanaren vom armen Agrar-Archipel zum Massentourismus-Ziel ist eine der dramatischsten Veränderungen in der europäischen Tourismusgeschichte. Alles begann in den späten 1950ern, als die ersten Charterflüge aus Skandinavien und Großbritannien landeten.
Die Chronologie des Booms:
- 1957: Eröffnung des Flughafens Gran Canaria (Gando) für internationalen Verkehr
- 1960er: Erste Hotelkomplexe in Playa del Inglés und Puerto de la Cruz. Schwedische und deutsche Reiseunternehmen entdecken das Ganzjahres-Potenzial
- 1970er: Der Bau-Boom explodiert. Playa del Inglés/Maspalomas wird zur größten Touristenstadt der Kanaren. Auf Teneriffa wächst Los Cristianos/Playa de las Américas aus dem Nichts
- 1980er: Lanzarote entwickelt sich dank César Manriques visionärem Konzept als Gegenmodell — kontrollierter Tourismus statt Betonburgen. Fuerteventura folgt mit Fokus auf Strände und Windsurf
- 1990er-2000er: Die Kanaren erreichen 10 Millionen Touristen jährlich. All-Inclusive-Resorts dominieren den Süden der großen Inseln
- 2010er-2020er: Umorientierung: Wandertourismus auf La Palma, La Gomera und El Hierro, Ökotourismus, Digitale Nomaden (besonders auf Teneriffa und Gran Canaria)
Heute empfangen die Kanaren über 16 Millionen Touristen pro Jahr — bei nur 2,2 Millionen Einwohnern. Der Tourismus macht rund 35 % des BIP aus. Die Schattenseiten — Wasserknappheit, Overtourism-Proteste, steigende Mietpreise für Einheimische — sind seit 2023 ein heißes politisches Thema. Auf Teneriffa und Gran Canaria gab es 2024 große Demonstrationen unter dem Motto „Canarias tiene un límite" (Die Kanaren haben eine Grenze).
Achtung
Das Thema Overtourism ist auf den Kanaren aktuell politisch hochsensibel. Zeige Respekt für die Sorgen der Einheimischen, verhalte dich rücksichtsvoll und unterstütze nach Möglichkeit lokale Geschäfte statt internationaler Ketten.