Wein & Heuriger
Österreich ist ein Weinland von Weltklasse — eine Tatsache, die lange vom "Weinskandal" von 1985 (als einige Winzer Diethylenglykol beimischten) überschattet wurde. Paradoxerweise führte der Skandal zu den strengsten Weingesetzen Europas und einer Qualitätsrevolution, die Österreich heute zu einem der spannendsten Weinländer macht.
Die wichtigsten Rebsorten
- Grüner Veltliner — Österreichs Leitsorte, pfeffrig, mineralisch, vielseitig. Vom leichten Heurigenwein bis zum komplexen Smaragd aus der Wachau
- Riesling — in der Wachau und am Kamptal auf Weltklasse-Niveau, vergleichbar mit den besten deutschen und elsässischen Rieslingen
- Welschriesling — leicht, frisch, der klassische Schankwein beim Heurigen
- Blaufränkisch — die wichtigste Rotweinsorte, besonders im Burgenland. Dunkel, würzig, tanninreich
- Zweigelt — Österreichs meistangebaute Rotweinsorte, fruchtig und zugänglich
- St. Laurent — samtig, burgunderähnlich, ein Geheimtipp
Weinregionen
Die Wachau (UNESCO-Welterbe) entlang der Donau zwischen Melk und Krems ist das Flaggschiff: Terrassenweinbau an steilen Hängen, Spitzenweine in den Kategorien Steinfeder, Federspiel und Smaragd. Das Kamptal und Kremstal schließen sich an. Im Burgenland rund um den Neusiedler See gedeihen kraftvolle Rotweine und der berühmte Ruster Ausbruch (Süßwein). Die Südsteiermark — das "steirische Toskana" — liefert hervorragende Sauvignon Blancs und Weißburgunder.
Der Heurige
Der Heurige ist eine einzigartig österreichische Institution: Ein Weinbauer schenkt seinen eigenen jungen Wein (den "Heurigen" des aktuellen Jahrgangs) direkt aus — erkennbar am Buschen (Föhrenzweig) über der Tür, der signalisiert: "Ausgesteckt" (geöffnet). Dazu gibt es eine kalte Brettljause: Aufschnitt, Käse, Liptauer, Grammelschmalz, Essiggurken und frisches Brot.
Die besten Heurigen-Gebiete: Grinzing, Neustift und Nussdorf in Wien (teils touristisch), Perchtoldsdorf und Gumpoldskirchen südlich von Wien (authentischer), die Wachau und die Südsteiermark entlang der Weinstraßen.
💡 Tipp
In Wien ist der "Sturm" (teilvergorener Traubenmost) im September und Oktober ein Muss — süß, trügerisch mild und gefährlich trinkbar. Vorsicht: Er hat bereits Alkohol, obwohl er wie Traubensaft schmeckt! Am besten beim Heurigen in Neustift am Walde oder Stammersdorf.