Endemische Flora — Drachenbaum, Kanarische Kiefer & Lorbeerwald
Die Pflanzenwelt der Kanaren ist ein botanisches Weltwunder. Durch die Isolation im Atlantik und die extremen Höhenunterschiede haben sich über Jahrmillionen Hunderte endemische Arten entwickelt, die nirgendwo sonst auf der Erde vorkommen.
Der Drachenbaum (Drago)
Das Wahrzeichen der Kanaren — ein urzeitlich anmutender Baum mit dickem Stamm, schirmförmiger Krone und rotem Harz (dem legendären „Drachenblut"), das seit der Antike als Heilmittel und Farbstoff gehandelt wurde. Die Guanchen verehrten den Drago als heilig. Das berühmteste Exemplar ist der Drago Milenario in Icod de los Vinos (Teneriffa) — sein geschätztes Alter variiert je nach Quelle zwischen 500 und 1.000 Jahren. Weitere eindrucksvolle Drachenbäume stehen im Jardín Botánico in Puerto de la Cruz und auf La Palma.
Die Kanarische Kiefer (Pinus canariensis)
Ein Überlebenskünstler ohne Gleichen: Die Kanarische Kiefer wächst auf Lavaböden und in Höhen bis zu 2.500 m und besitzt eine einzigartige Fähigkeit — sie kann nach einem Waldbrand aus verkohlten Stämmen neu austreiben. Nach dem verheerenden Waldbrand auf Teneriffa 2023 zeigten sich bereits Monate später grüne Triebe an schwarz verbrannten Bäumen. Ihre extrem langen Nadeln (bis 30 cm) kämmen zudem die Feuchtigkeit aus den Passatwolken — sogenannter „horizontaler Regen", der den Boden unter den Bäumen durchnässt.
Der Lorbeerwald (Laurisilva)
Das wertvollste botanische Erbe Europas: Die Lorbeerwälder (Laurisilva) auf La Gomera, Teneriffa (Anaga), La Palma und El Hierro sind Relikte der subtropischen Wälder, die vor der Eiszeit ganz Südeuropa bedeckten. In Kontinentaleuropa starben sie aus — nur auf den Kanaren (und Madeira und den Azoren) überlebten sie dank des gleichmäßigen Klimas. Der Garajonay-Nationalpark auf La Gomera ist der größte zusammenhängende Lorbeerwald der Welt — UNESCO-Welterbe seit 1986. Wandern durch diese moosbedeckten, nebelumhüllten Wälder fühlt sich an wie eine Zeitreise in eine Ära vor den Menschen.
Weitere botanische Highlights
- Kanaren-Wolfsmilch (Euphorbia canariensis): Kakteenähnliche Sukkulente, die überall in den Trockengebieten wächst
- Tajinaste (Echium wildpretii): Ein bis zu 3 Meter hoher, leuchtend roter Blütenturm, der nur am Teide auf Teneriffa und auf La Palma wächst — im Mai/Juni ein atemberaubender Anblick
- Siempreviva (Limonium): Die „Immerlebende" — wächst auf kargen Klippen und symbolisiert die Widerstandskraft der kanarischen Natur
💡 Tipp
Der Jardín Botánico in Puerto de la Cruz (Teneriffa), gegründet 1788, zeigt die gesamte kanarische und tropische Pflanzenwelt auf kleinem Raum. Für den Lorbeerwald von La Gomera die Route durch den Garajonay-Nationalpark ab Alto de Garajonay wählen — hier ist der Wald am dichtesten und magischsten.