Tapas-Kultur — Spaniens genialste Erfindung
Die Tapa (von „tapar" = zudecken) ist mehr als ein Häppchen — sie ist eine Lebensphilosophie. Der Ursprung ist umstritten: Angeblich legte König Alfons X. eine Scheibe Brot auf sein Weinglas, um Fliegen fernzuhalten. Wahrscheinlicher ist, dass andalusische Wirtshäuser ihren Gästen kleine Häppchen zum Wein reichten, um den Alkoholkonsum zu bremsen.
So funktioniert Tapeo
Der Tapeo (die Tapas-Tour) folgt einem ungeschriebenen Ritual:
- Man geht nicht in ein Restaurant, sondern zieht von Bar zu Bar — in jeder eine oder zwei Tapas und ein Getränk
- In Granada, Almería und Jaén bekommt man zu jedem Getränk eine kostenlose Tapa — die Portionen werden mit jedem Getränk größer!
- In San Sebastián heißen Tapas „Pintxos" (sprich: „Pintschos") und werden auf Baguette-Scheiben serviert. Die Theken biegen sich unter kunstvoll belegten Pintxos — man nimmt sich einfach, was gefällt, und am Ende werden die Zahnstocher gezählt
- In Madrid bestellt man an der Theke (barra) oder am Tisch. Theke ist meist günstiger
- Man isst im Stehen oder auf Barhockern — Tapas am Tisch mit Tischdecke sind touristisch
Die Klassiker
- Patatas bravas: Frittierte Kartoffelwürfel mit scharfer Tomatensoße und Aioli. Jede Bar hat ihr eigenes Rezept
- Tortilla española: Kartoffel-Omelett — das Nationalgericht. Die Debatte „mit oder ohne Zwiebel?" (con o sin cebolla) spaltet Spanien
- Croquetas: Cremige Béchamel-Kroketten, meist mit Jamón oder Kabeljau (bacalao). Hausgemacht erkennt man am unregelmäßigen Aussehen
- Gambas al ajillo: Garnelen in brutzelndem Knoblauchöl mit Guindilla-Chili
- Pimientos de Padrón: Kleine grüne Paprika, in Olivenöl gebraten, mit grobem Meersalz — „die einen brennen, die anderen nicht" (unos pican y otros no)
- Jamón ibérico: Hauchdünn geschnittener Schinken (siehe eigene Sektion)
- Pulpo a la gallega: Galicischer Oktopus auf Kartoffeln mit Paprikapulver und Olivenöl
- Boquerones en vinagre: In Essig marinierte Sardellen — ein Klassiker
💡 Tipp
Die goldene Regel: Geh dahin, wo die Einheimischen stehen. Wenn der Boden einer Bar mit Servietten und Olivenkernen übersät ist, ist es ein gutes Zeichen. Wenn die Speisekarte auf Englisch, Deutsch und Japanisch aushängt — weitergehen.