19. Jahrhundert & Belle Époque
Nach Napoleon schwankte Frankreich jahrzehntelang zwischen Monarchie, Kaiserreich und Republik. Die Restauration brachte die Bourbonen zurück, die Julirevolution 1830 setzte den "Bürgerkönig" Louis-Philippe ein, die Februarrevolution 1848 rief die Zweite Republik aus, und Napoleons Neffe Napoleon III. machte sich erst zum Präsidenten, dann zum Kaiser des Zweiten Kaiserreiches.
Unter Napoleon III. verwandelte der Stadtplaner Baron Haussmann Paris radikal: Die engen mittelalterlichen Gassen wichen breiten Boulevards, prächtigen Plätzen und einheitlichen Fassaden mit den typischen Zinkdächern. Das Paris, das die Welt kennt — mit seinen eleganten Straßenzügen, den Cafés auf den Trottoirs und den großen Achsen — ist im Wesentlichen Haussmanns Werk.
1870 führte der Deutsch-Französische Krieg zur Katastrophe: Frankreich verlor, Napoleon III. ging in Gefangenschaft, und Elsass-Lothringen fiel an das neue Deutsche Kaiserreich. In Paris riefen aufständische Arbeiter die Commune aus (1871), die in einem blutigen Bürgerkrieg mit über 20.000 Toten niedergeschlagen wurde. Die Erinnerung an die Commune ist in der französischen Linken bis heute lebendig.
Die Dritte Republik (1870–1940) stabilisierte sich erstaunlich schnell. Die Belle Époque (ca. 1880–1914) wurde zu einer goldenen Ära: Paris erstrahlte als "Ville Lumière" (Stadt des Lichts) mit elektrischer Beleuchtung, der Eiffelturm wurde zur Weltausstellung 1889 gebaut (und sollte eigentlich wieder abgerissen werden), die Impressionisten revolutionierten die Kunst, und die Moulin Rouge eröffnete im Vergnügungsviertel Montmartre. Frankreich baute ein riesiges Kolonialreich auf, vor allem in Afrika und Südostasien.
Die Dreyfus-Affäre (1894–1906) — die fälschliche Verurteilung des jüdischen Offiziers Alfred Dreyfus wegen angeblicher Spionage — zerriss die Gesellschaft und führte letztlich zur strikten Trennung von Kirche und Staat (Laizismus) durch das Gesetz von 1905, das Frankreich bis heute prägt.