Alfama & Castelo★★★
Die Alfama ist das älteste Viertel Lissabons und das Herz der Stadt. Das Labyrinth aus engen Gassen, steilen Treppen und winzigen Plätzen hat als einziges Stadtviertel das verheerende Erdbeben von 1755 weitgehend überstanden — weil es auf solidem Fels gebaut ist. Hier lebt Lissabon noch wie vor hundert Jahren: Wäsche hängt zwischen den Häusern, Nachbarn rufen sich über die Gasse zu, und aus den offenen Fenstern dringt der Klang von Fado-Gesang.
Das Viertel war einst das maurische Zentrum der Stadt (Alfama kommt vom arabischen al-hamma, „heiße Quellen") und hat sich seinen orientalischen Charakter bewahrt: verschlungene Gassen ohne erkennbare Logik, plötzliche Sackgassen, versteckte Innenhöfe und Aussichtspunkte, die sich unvermittelt öffnen. Der Miradouro de Santa Luzia bietet einen der schönsten Blicke über die roten Dächer zum Tejo — mit Bougainvillea-Ranken und Azulejo-Wandbildern als Rahmen.
Über der Alfama thront das Castelo de São Jorge, die maurische Festung aus dem 11. Jahrhundert, die von Afonso Henriques 1147 bei der Reconquista erobert wurde. Die Burg selbst ist architektonisch bescheiden, aber der 360-Grad-Panoramablick über Lissabon, den Tejo und die Ponte 25 de Abril ist atemberaubend. Komm am besten zum Sonnenuntergang — wenn die Stadt in goldenes Licht getaucht wird und die Fähren weiße Streifen über den Fluss ziehen. Im Burggelände leben übrigens dutzende Pfauen, die zwischen den Touristen umherstolzieren.
Jeden Dienstag und Samstag findet auf dem Campo de Santa Clara die berühmte Feira da Ladra statt — Lissabons ältester Flohmarkt. Hier findet man alles von antiken Azulejos über Vintage-Schmuck bis zu alten Schallplatten. Früh kommen lohnt sich: Die besten Stücke sind bis 10 Uhr vergriffen. Handeln ist erlaubt und erwartet — starte bei 50% des genannten Preises.
Abends verwandelt sich die Alfama in das Epizentrum des Fado. In Dutzenden kleiner Restaurants und Tavernen singen Fadistas ihre melancholischen Lieder, begleitet von der zwölfsaitigen guitarra portuguesa. Touristisch, aber trotzdem ergreifend: das Clube de Fado (Rua São João da Praça 92, Menü ab 40€) oder das intimere Tasca do Chico (Rua dos Remédios 83, ohne Reservierung, Fado beginnt gegen 21 Uhr).
💡 Tipp
Die berühmte Tram 28 fährt durch die Alfama und ist eine Sehenswürdigkeit für sich — aber auch ein Magnet für Taschendiebe. Fahre frühmorgens (vor 9 Uhr) oder nutze die weniger bekannte Tram 12E, die eine ähnliche Route nimmt, aber fast leer ist. Eine Fahrt kostet 3,00€ bar oder 1,65€ mit der Viva Viagem-Karte.
Castelo de São Jorge★★★
Die Burg ist Lissabons meistbesuchte Sehenswürdigkeit und das zu Recht — weniger wegen der Architektur als wegen des Ausblicks. Von den Zinnen der maurischen Mauern überblickt man die gesamte Stadt: die roten Dächer der Alfama, die weiße Baixa, den breiten Tejo mit seinen Fähren, die Cristo-Rei-Statue auf der anderen Seite und bei klarem Wetter die Serra da Arrábida im Süden.
Das Gelände umfasst mehrere Bereiche: die eigentliche Zitadelle mit elf Türmen (die man besteigen kann), den archäologischen Bereich mit Überresten aus der Eisenzeit, Römerzeit und maurischen Periode, und die schönen Gärten mit Korkeichen, Olivenbäumen und den erwähnten Pfauen. Die multimediale Ausstellung „Olisipónia" in der Torre de Ulisses zeigt die Stadtgeschichte und hat eine begehbare Camera Obscura, die Live-Bilder der Stadt auf eine Scheibe projiziert.
Der Aufstieg zur Burg ist steil, aber lohnend. Vom Praça da Figueira oder Martim Moniz führen mehrere Wege hinauf. Wer die Beine schonen will, nimmt den Bus 737 direkt vor den Eingang. Der Eintritt beträgt 15€ für Erwachsene, Kinder unter 12 sind frei. Abends (im Sommer bis 21 Uhr) ist die Burg am schönsten und am leersten.