Der Tourismus-Boom
Balis Tourismus begann in den 1920er und 1930er Jahren, als europäische Künstler und Intellektuelle die Insel „entdeckten". Der deutsche Maler Walter Spies, der mexikanische Künstler Miguel Covarrubias und die kanadische Musikerin Colin McPhee schufen mit ihren Werken ein romantisches Bild von Bali als „letztem Paradies" — ein Image, das bis heute nachwirkt.
Der Massentourismus begann mit der Eröffnung des Grand Bali Beach Hotels in Sanur 1966 und der Fertigstellung des internationalen Flughafens 1969. Die indonesische Regierung unter Suharto plante Bali gezielt als Tourismus-Enklave — der SCETO-Masterplan von 1971 (erstellt von der Weltbank) legte fest, dass der Tourismus auf das Gebiet um Nusa Dua und Kuta konzentriert werden sollte, um den Rest der Insel zu „schützen".
Die Realität überrollte den Plan: Von 30.000 Touristen 1970 stiegen die Zahlen auf 1 Million (1997), 3,5 Millionen (2015) und über 6 Millionen (2019). Kuta, Seminyak, Canggu und Ubud verwandelten sich in Touristenzentren. Die COVID-19-Pandemie 2020 brachte den Tourismus zum Erliegen und legte die extreme Abhängigkeit Balis von ausländischen Besuchern schonungslos offen.
Die Bali-Bombenanschläge vom 12. Oktober 2002 (202 Tote, davon 88 Australier) und 2005 (20 Tote) waren tiefe Einschnitte. Die Attentate islamistischer Terroristen in den Bars von Kuta erschütterten das Selbstbild Balis als friedliche Insel der Götter. Das Bali Bombing Memorial in der Jalan Legian erinnert an die Opfer.
Heute ringt Bali um ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlicher Abhängigkeit vom Tourismus und dem Erhalt seiner einzigartigen Kultur und Umwelt — eine Herausforderung, die das 21. Jahrhundert definieren wird.