Holländische Kolonialzeit & Puputan
Die Niederländisch-Ostindische Kompanie (VOC) etablierte ab dem 17. Jahrhundert Handelsposten auf Bali, konnte die Insel aber lange nicht unterwerfen. Die balinesischen Königreiche waren militärisch stark und politisch geschickt. Erst im 19. Jahrhundert begannen die Niederländer systematisch, die Insel zu erobern — der Norden (Buleleng) fiel 1849 nach blutigen Kämpfen.
Die Südbali-Königreiche widersetzten sich bis zum bitteren Ende. Was folgte, gehört zu den erschütterndsten Kapiteln der Kolonialgeschichte:
Am 20. September 1906 marschierten niederländische Truppen auf den Königspalast von Denpasar (Badung) zu. Statt sich zu ergeben, zogen der König, seine Familie und Hunderte Hofleute in zeremonieller weißer Kleidung dem Feind entgegen — und rannten direkt in die niederländischen Gewehre. Dies war der Puputan (wörtlich: „das Ende") — ein ritueller Massenselbstmord, bei dem die Balinesen den Tod der Unterwerfung vorzogen. Wer nicht von Kugeln getroffen wurde, erstach sich selbst mit dem Kris (Dolch).
Bis zu 1.000 Balinesen starben im Puputan von Badung. Zwei Jahre später, 1908, wiederholte sich die Tragödie in Klungkung: Der Deva Agung (König) und 200 Gefolgsleute wählten den gleichen Weg. Die niederländischen Soldaten, die mit leichtem Widerstand gerechnet hatten, waren erschüttert. Die Berichte über den Puputan lösten in Europa Entsetzen aus und beschädigten das Ansehen der Kolonialmacht schwer.
Das Puputan-Denkmal auf dem Lapangan Puputan in Denpasar erinnert an diese Tragödie — es ist ein Ort stiller Trauer und nationalen Stolzes.
Achtung
Das Puputan ist für Balinesen kein abstraktes historisches Ereignis, sondern lebendige Familiengeschichte. Viele können die Ahnen benennen, die im Puputan starben. Zeige Respekt, wenn das Thema aufkommt.