Đổi Mới — Vietnams Wirtschaftswunder
Nach dem Krieg folgten schwierige Jahrzehnte: Die Wiedervereinigung 1976 brachte das ganze Land unter kommunistische Herrschaft, aber die Wirtschaft lag am Boden. Hunderttausende Boat People flohen über das Meer — viele ertranken, andere landeten in Flüchtlingslagern in Südostasien.
1986 begann die Revolution der leisen Art: Đổi Mới („Erneuerung") — Vietnams Version der chinesischen Wirtschaftsreformen. Die Regierung behielt die politische Kontrolle (Einparteienstaat), öffnete aber die Wirtschaft für Privatunternehmen und ausländische Investitionen. Die Ergebnisse sind spektakulär:
- 1986: Vietnam gehörte zu den ärmsten Ländern der Welt.
- 2026: Wachstumsrate 6–7 % jährlich, eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Asiens. Armut von 60 % (1986) auf unter 5 % gesunken.
- Exports: Samsung produziert mehr Smartphones in Vietnam als in Südkorea. Nike, Adidas, Intel — alle haben Fabriken in Vietnam.
Das heutige Vietnam ist ein faszinierender Widerspruch: Kommunistische Einparteiherrschaft trifft auf wilden Kapitalismus. Hammer und Sichel auf den Flaggen, aber Apple Stores in den Einkaufszentren. Propagandaplakate neben Instagram-Cafés. Der Pragmatismus hat gesiegt — und die Vietnamesen sind stolz auf ihren Aufstieg.
💡 Tipp
Das Hỏa Lò Gefängnis ("Hanoi Hilton") in Hanoi erzählt die Geschichte aus zwei Perspektiven: als französisches Kolonialgefängnis und als Kriegsgefangenenlager für amerikanische Piloten (darunter John McCain). Faszinierend und nachdenklich machend.