Familie & Konfuzianismus
Die Familie (Gia Đình) ist das Fundament der vietnamesischen Gesellschaft — wichtiger als das Individuum, wichtiger als der Staat. Drei, vier Generationen unter einem Dach sind keine Seltenheit. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, Einkommen geteilt, Alte und Kranke zu Hause gepflegt.
Der Konfuzianismus — über die 1.000-jährige chinesische Herrschaft importiert — bestimmt die sozialen Hierarchien: Respekt vor dem Alter, Gehorsamkeit gegenüber den Eltern, Bildung als höchster Wert. Vietnamesen fragen bei der ersten Begegnung oft nach dem Alter — nicht aus Neugier, sondern um die richtige Anredeform zu wählen (die vietnamesische Sprache hat Dutzende davon).
Ahnenkult
Der Ahnenkult (Thờ Cúng Tổ Tiên) ist Vietnams tiefste spirituelle Praxis — älter als Buddhismus und Konfuzianismus. In fast jedem vietnamesischen Haus steht ein Ahnenaltar: Fotos der Verstorbenen, Räucherstäbchen, Obst und Blumen. An Todestagen und zu Tết werden aufwendige Rituale abgehalten — die Verstorbenen werden als gegenwärtig betrachtet, ihr Wohlwollen ist entscheidend für das Familienglück.