Siesta & Spätessen — der spanische Rhythmus
Der spanische Tagesrhythmus ist für Mitteleuropäer zunächst irritierend, dann befreiend. Der Schlüssel: Spanien liegt geographisch in der gleichen Zeitzone wie Großbritannien, nutzt aber seit Franco (der sich mit Hitler-Deutschland solidarisieren wollte) die mitteleuropäische Zeit. Das Ergebnis: Die Sonne geht im Sommer erst gegen 22 Uhr unter, und das gesamte Sozialleben verschiebt sich.
Ein typischer spanischer Tag
- 8:00–9:00: Frühstück (desayuno) — ein Café con leche und ein Croissant oder Tostada con tomate an der Theke einer Bar. Schnell, im Stehen
- 10:30–11:00: Zweites Frühstück (almuerzo) — ein Bocadillo (belegtes Baguette) und noch ein Kaffee
- 14:00–16:00: Mittagessen (comida) — die Hauptmahlzeit des Tages. Drei Gänge, oft ein Menú del Día. In Kleinstädten schließen Geschäfte
- 17:00–20:00: Nachmittagsaktivitäten, Einkaufen, Kinder auf dem Spielplatz
- 20:00–21:00: Paseo — der abendliche Spaziergang. Ganze Familien flanieren durch die Altstadt
- 21:00–23:00: Abendessen (cena) — kein Spanier isst vor 21 Uhr zu Abend. Restaurants füllen sich ab 21:30. Im Sommer kann es 22:30 werden
- 23:00+: Ausgehen (salir) — Bars ab Mitternacht, Clubs ab 2 Uhr, Heimkommen bei Sonnenaufgang ist am Wochenende normal
Die Siesta
Die klassische Siesta — nach dem Mittagessen ein bis zwei Stunden schlafen — ist in Großstädten wie Madrid oder Barcelona im Verschwinden begriffen (die Arbeitswege sind zu lang). Aber in Kleinstädten und im Süden ist sie noch Realität: Zwischen 14 und 17 Uhr ist alles geschlossen, die Straßen sind leer, die Rollläden heruntergelassen. Plane deinen Tag entsprechend!
💡 Tipp
Passe deinen Rhythmus an! Spanier essen nicht um 18 Uhr zu Abend — Restaurants haben dann oft noch gar nicht geöffnet. Wer um 14 Uhr das Menú del Día nimmt und ab 21 Uhr zu Abend isst, lebt wie ein Einheimischer und isst deutlich besser (und günstiger).