Familie — das Fundament der Gesellschaft
In Spanien ist die Familie (la familia) der zentrale Bezugspunkt des Lebens — weit mehr als in Deutschland. Das zeigt sich im Alltag auf Schritt und Tritt:
- Generationenwohnen: Viele junge Spanier leben bis weit in die 30er bei den Eltern — nicht nur aus wirtschaftlicher Not (obwohl die hohen Mieten und Jugendarbeitslosigkeit ein Faktor sind), sondern weil es kulturell akzeptiert ist. Der Durchschnitt liegt bei 29,3 Jahren beim Auszug
- Sonntags-Comida: Das Sonntagsessen bei den Großeltern ist heilig. Drei Generationen am Tisch, vier Gänge, endlose Gespräche — der „Sobremesa" (das Beisammensein nach dem Essen) dauert oft länger als das Essen selbst
- Kinder überall: Spanien ist extrem kinderfreundlich. Kinder sind um 23 Uhr noch auf der Straße, werden von allen Seiten bemuttert und in Restaurants willkommen geheißen. Es gibt kein „Das ist kein Ort für Kinder"
- Großeltern als Kinderbetreuung: Die Abuelos (Großeltern) spielen eine zentrale Rolle, holen Enkel von der Schule ab, kochen Mittagessen und sind im Park allgegenwärtig
Paradoxerweise hat Spanien eine der niedrigsten Geburtenraten Europas (1,16 Kinder pro Frau) — wirtschaftliche Unsicherheit, hohe Wohnkosten und späte Familiengründung sind die Gründe. Es ist ein Land, das Kinder liebt, aber zu wenige bekommt.