Goldenes Zeitalter & Kolonien (1492–1700)
Mit der Entdeckung Amerikas begann Spaniens Siglo de Oro — das Goldene Zeitalter, in dem das Land zur Weltmacht aufstieg und gleichzeitig den Keim seines Niedergangs legte.
Das größte Imperium der Geschichte
Unter Karl V. (Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und König von Spanien, 1516–1556) und seinem Sohn Philipp II. (1556–1598) erstreckte sich das spanische Weltreich von den Philippinen über Südamerika bis in die Niederlande. „In meinem Reich geht die Sonne nicht unter", sagte Karl V. — und es stimmte.
Die Conquistadores — Hernán Cortés (Azteken, 1519–1521), Francisco Pizarro (Inka, 1532) — brachten unermessliche Reichtümer nach Spanien: Gold und Silber aus Mexiko und Peru. Sevilla wurde zum Tor zur Neuen Welt; das Archivo de Indias (heute UNESCO-Welterbe) beherbergt 80 Millionen Seiten Kolonialdokumente.
Kulturelle Blüte
Paradoxerweise erlebte Spanien seine größte kulturelle Blüte, während das Imperium bereits zu bröckeln begann:
- Cervantes schrieb den „Don Quijote" (1605/1615) — den ersten modernen Roman der Weltliteratur
- Velázquez malte „Las Meninas" — eines der analysiertesten Gemälde der Kunstgeschichte
- El Greco schuf in Toledo seine mystischen Visionen
- Lope de Vega und Calderón de la Barca revolutionierten das Theater
Niedergang
Das Gold aus Amerika wurde für endlose Kriege verschleudert (Niederlande, England, Frankreich), statt in die Wirtschaft investiert. Die Spanische Armada scheiterte 1588 vor England. Im 17. Jahrhundert verlor Spanien Stück für Stück seine Besitzungen. Der Spanische Erbfolgekrieg (1701–1714) beendete die habsburgische Linie und brachte die Bourbonen auf den Thron — die bis heute regieren.
💡 Tipp
Das Museo del Prado in Madrid beherbergt die beste Sammlung spanischer Meister (Velázquez, Goya, El Greco). Freier Eintritt täglich in den letzten zwei Stunden vor Schließung!