Bürgerkrieg & Franco-Diktatur (1936–1975)
Das 19. Jahrhundert brachte Spanien napoleonische Besatzung (1808–1814), den Verlust fast aller Kolonien (die letzten — Kuba, Puerto Rico, Philippinen — gingen 1898 verloren), karlistenkriege, Militärputsche und eine kurze Erste Republik. Das Land schwankte zwischen Monarchie, Republik und Chaos.
Die Zweite Republik (1931–1936)
1931 wurde König Alfons XIII. ins Exil geschickt und die Zweite Spanische Republik ausgerufen. Die Republik versuchte radikale Reformen: Landreform, Trennung von Kirche und Staat, Autonomie für Katalonien und das Baskenland, Frauenwahlrecht. Doch die Gesellschaft war tief gespalten — Großgrundbesitzer, Kirche und Militär standen gegen Arbeiter, Sozialisten und Anarchisten.
Der Bürgerkrieg (1936–1939)
Am 17. Juli 1936 putschten nationalistische Generäle unter Francisco Franco gegen die gewählte Regierung. Was folgte, waren drei Jahre Bürgerkrieg — ein Vorspiel des Zweiten Weltkriegs, in dem die Fronten der europäischen Ideologien aufeinanderprallten.
Die Nationalisten (Militär, Kirche, Großgrundbesitzer, Falange) wurden von Hitler und Mussolini unterstützt. Die deutsche Legion Condor bombardierte am 26. April 1937 die baskische Stadt Guernica — das erste systematische Flächenbombardement der Geschichte. Picasso verewigte das Grauen in seinem berühmtesten Gemälde.
Die Republikaner (Sozialisten, Kommunisten, Anarchisten, baskische und katalanische Nationalisten) erhielten Hilfe von der Sowjetunion und den Internationalen Brigaden — 35.000 Freiwillige aus 50 Ländern, darunter Schriftsteller wie Hemingway und Orwell. Doch die Westmächte praktizierten „Nichteinmischung".
Der Krieg kostete etwa 500.000 Menschenleben. Weitere 500.000 flohen ins Exil, vor allem nach Frankreich und Mexiko.
Die Franco-Diktatur (1939–1975)
Franco regierte Spanien 36 Jahre lang als autoritärer Diktator. Die Nachkriegszeit war von Repression, Armut und internationaler Isolation geprägt. Regionale Sprachen (Katalanisch, Baskisch, Galicisch) wurden verboten, politische Gegner verfolgt, in die Valle de los Caídos (Tal der Gefallenen) wurden Zwangsarbeiter zum Bau eines gigantischen Monuments gezwungen.
Ab den 1960er-Jahren öffnete sich Spanien wirtschaftlich: Der Massentourismus begann an der Costa Brava und der Costa del Sol, die Industrie wuchs, und eine neue Mittelschicht entstand. Millionen Spanier wanderten als Gastarbeiter nach Deutschland, Frankreich und die Schweiz aus — eine Erfahrung, die das Verständnis für heutige Migration prägt.
Franco starb am 20. November 1975. Sein Grab wurde 2019 aus dem Valle de los Caídos in ein unauffälliges Familiengrab umgebettet — ein symbolischer Akt der demokratischen Aufarbeitung.
Achtung
Der Bürgerkrieg und die Franco-Zeit sind in vielen Familien noch lebendige Erinnerung. Die „Ley de Memoria Histórica" versucht seit 2007, die Opfer zu rehabilitieren und Massengräber zu öffnen. Es ist ein Thema, das Spanier bewegt — respektvolle Neugier ist willkommen, Verharmlosung nicht.