Zweisprachigkeit — Zwei Seelen, ein Land
Kanada ist offiziell zweisprachig — Englisch und Französisch sind gleichberechtigte Amtssprachen auf Bundesebene. In der Praxis bedeutet das: Jede Müslischachtel, jedes Verkehrsschild des Bundes, jede Parlamentsrede ist in beiden Sprachen. Die Realität auf der Straße ist jedoch komplizierter.
Québec ist die einzige Provinz mit Französisch als alleiniger Amtssprache. Hier ist alles auf Französisch — Straßenschilder, Geschäftsnamen, Speisekarten. In Montréal spricht die Mehrheit beide Sprachen, aber in Québec City und auf dem Land ist Französisch die Umgangssprache. New Brunswick ist die einzige offiziell zweisprachige Provinz. Im Rest Kanadas dominiert Englisch — nur 17 % der Kanadier sprechen beide Amtssprachen.
Die Sprachenfrage ist mehr als Linguistik — sie berührt die nationale Identität. Québec sieht sich als eigenständige Nation innerhalb Kanadas, mit eigener Kultur, eigenem Recht (Zivilrecht basiert auf dem Code Napoléon, nicht auf Common Law) und eigenem Selbstverständnis. Die „Quiet Revolution" der 1960er-Jahre modernisierte Québec, und die Sprachgesetze (Loi 101, 1977) machten Französisch zur alleinigen Geschäftssprache — englische Schilder wurden verboten oder müssen deutlich kleiner sein als französische. Kontrovers, aber effektiv: Französisch ist in Québec lebendiger denn je.
💡 Tipp
Als Tourist in Québec: Ein einfaches „Bonjour" als Begrüßung öffnet jede Tür. Die Québécois schätzen jeden Versuch, Französisch zu sprechen, enorm. Danach kannst du problemlos ins Englische wechseln — aber die Geste zählt.