Antike Hochkulturen & Vedische Zeit
Indiens Geschichte beginnt mit einer der ältesten Zivilisationen der Welt: der Indus-Tal-Zivilisation (3300–1300 v. Chr.). Die Städte Mohenjo-daro und Harappa (heute in Pakistan) waren ihrer Zeit weit voraus — mit Kanalisationssystemen, genormten Ziegeln, Kornkammern und einer Stadtplanung, die erst Jahrtausende später wieder erreicht wurde. Über 1.000 Siedlungen erstreckten sich über ein Gebiet größer als das Alte Ägypten und Mesopotamien zusammen.
Ab etwa 1500 v. Chr. begann die vedische Periode: Die heiligen Texte der Veden wurden verfasst — die ältesten religiösen Schriften der Welt und Grundlage des Hinduismus. In dieser Zeit entstanden das Kastensystem, die Sanskrit-Sprache und die Grundlagen der indischen Philosophie. Die großen Epen Mahabharata und Ramayana (ca. 400 v. Chr.) sind bis heute lebendige Kulturwerke — jeder Inder kennt ihre Geschichten, sie werden als TV-Serien verfilmt und in Tempeln dargestellt.
Im 6. Jahrhundert v. Chr. entstanden zwei Reformbewegungen, die die Welt verändern sollten: Buddha (Siddhartha Gautama, ca. 563–483 v. Chr.) begründete den Buddhismus in Nordindien, und Mahavira den Jainismus — beide als Antwort auf die starre Brahmanenherrschaft.
Das Maurya-Reich (322–185 v. Chr.) unter Kaiser Ashoka war das erste gesamtindische Imperium. Ashoka konvertierte nach der blutigen Schlacht von Kalinga zum Buddhismus und wurde zum ersten großen Friedensherrscher der Geschichte. Seine Löwenkapitell-Säule ist heute das Staatswappen Indiens, und das Ashoka-Rad ziert die indische Flagge.