Art Nouveau & Art Déco
Um 1900 revolutionierten zwei aufeinanderfolgende Stilrichtungen die Ästhetik des Alltags — und beide hatten ihren Ursprung oder ihre Blüte in Frankreich.
Art Nouveau (Jugendstil, ca. 1890–1910)
Der Art Nouveau wollte Kunst und Leben verschmelzen. Inspiriert von Naturformen — Pflanzenranken, Blüten, fließende Linien, Insektenflügel — durchdrang der Stil alles: Architektur, Möbel, Schmuck, Glaskunst, Plakate, Metro-Eingänge.
- Hector Guimard entwarf die berühmten Pariser Métro-Eingänge (Abbesses, Arts et Métiers) mit ihren gusseisernen Pflanzenformen — sie sind das bekannteste Art-Nouveau-Symbol weltweit
- Émile Gallé und Louis Majorelle in Nancy schufen Glaskunst und Möbel von atemberaubender Schönheit. Die École de Nancy machte die lothringische Stadt zum Zentrum des französischen Jugendstils
- René Lalique revolutionierte den Schmuck: Seine Libellen-Broschen und Orchideen-Colliers aus Gold, Emaille und Edelsteinen sind Kunstwerke, die in den größten Museen der Welt hängen
Art Déco (ca. 1920–1940)
Der Art Déco war die geometrische Antwort auf die organischen Schwünge des Jugendstils. Klare Linien, symmetrische Muster, luxuriöse Materialien (Marmor, Chrom, exotische Hölzer), stilisierte Formen. Der Name stammt von der Exposition internationale des arts décoratifs in Paris 1925.
- Das Palais de Chaillot und der Palais de Tokyo in Paris sind monumentale Art-Déco-Bauten
- Das Kaufhaus La Samaritaine (renoviert 2021) vereint Art Nouveau und Art Déco unter einem Dach
- Robert Mallet-Stevens schuf mit der Rue Mallet-Stevens im 16. Arrondissement ein Ensemble kubistischer Villen
- Die Ozeanriesen Île-de-France und Normandie waren schwimmende Art-Déco-Paläste
Heute feiert der Art Déco ein Revival: Hotels, Bars und Restaurants in Paris greifen den Stil begeistert auf.