Bush vs. City — Zwei Australien
Australien hat ein Identitätsproblem: Das nationale Selbstbild ist der raue Bushman — der Stockman, der im Outback unter dem Sternenhimmel schläft und Schlangen mit bloßen Händen fängt. Die Realität: 86% der Australier leben in Städten, die meisten innerhalb von 50 km von der Küste. Australien ist eines der am stärksten urbanisierten Länder der Welt.
Diese Kluft zwischen Mythos und Realität prägt die Kultur tiefgreifend:
Das urbane Australien
Sydney, Melbourne, Brisbane, Perth — kosmopolitische Städte mit Weltklasse-Restaurants, Kunstszene, Start-up-Kultur und einem Lebensstandard, der regelmäßig zu den höchsten der Welt gezählt wird. Die Café-Kultur, die Brunch-Szene und die multikulturelle Küche sind urbane Phänomene, die den Bush nie erreichen.
Das ländliche Australien („The Bush")
Jenseits der Städte beginnt eine andere Welt: Rinderfarmen so groß wie Belgien, Outback-Pubs mit drei Stammgästen, Royal Flying Doctor Service als Krankenwagen und die School of the Air (Fernunterricht per Funk, heute Internet). Die Bush-Australier sind selbstgenügsam, hilfsbereit und stoisch — hier lebt der „Mateship"-Geist am stärksten.
Der Pub ist in ländlichen Gemeinden das soziale Zentrum — gleichzeitig Bar, Restaurant, Hotel, Postamt und Versammlungsort. Ein Bier im Outback-Pub mit den Locals zu trinken ist ein australisches Erlebnis, das keine Touristenattraktion ersetzen kann. Und ja: Die Geschichten werden besser, je mehr Bier fließt.