Britische Kolonialzeit & Teilung
Britische Kolonialherrschaft (1878–1960)
Das Osmanische Reich trat Zypern 1878 an Großbritannien ab (formell annektiert 1914). Die Briten hinterließen tiefe Spuren: Linksverkehr (bis heute!), das Rechtssystem, die Verwaltungssprache Englisch und die Typ-G-Steckdosen. Die britischen Militärbasen Akrotiri und Dhekelia existieren bis heute als souveränes britisches Territorium — mitten auf der Insel.
Unabhängigkeit & die Zypernfrage (1960–1974)
Am 16. August 1960 wurde Zypern unabhängig. Erster Präsident: Erzbischof Makarios III. Doch die junge Republik war von Anfang an instabil. Die griechisch-zyprische Mehrheit (80%) strebte die Enosis (Vereinigung mit Griechenland) an, die türkisch-zyprische Minderheit (18%) fürchtete um ihre Rechte.
1963 brachen interkommunale Unruhen aus. Türkisch-zyprische Enklaven wurden belagert, UN-Friedenstruppen wurden entsandt. Die Green Line in Nikosia entstand. Ein Jahrzehnt Spannungen folgte.
Die Teilung 1974
Am 15. Juli 1974 putschte die griechische Militärjunta gegen Makarios, um die Enosis zu erzwingen. Fünf Tage später, am 20. Juli 1974, marschierte die türkische Armee ein — offiziell zum Schutz der türkisch-zyprischen Minderheit. In zwei Phasen besetzten türkische Truppen 37% der Insel.
Die Folgen waren katastrophal: 200.000 griechische Zyprer aus dem Norden und 50.000 türkische Zyprer aus dem Süden wurden vertrieben. Varosha in Famagusta wurde zur Geisterstadt. Der Flughafen Nikosia wurde zur UN-Pufferzone. Familien wurden getrennt, Kulturerbe zerstört oder geplündert.
Seit 1983 nennt sich der Norden „Türkische Republik Nordzypern" (TRNC) — international nur von der Türkei anerkannt. Der Annan-Plan zur Wiedervereinigung scheiterte 2004 an einem Referendum (die griechischen Zyprer stimmten dagegen, die türkischen dafür). Die Teilung besteht bis heute.
Zypern heute
Die Republik Zypern trat 2004 der EU bei (formal für die gesamte Insel, de facto nur der Süden). Seit 2008 wird mit dem Euro bezahlt. Seit 2003 sind die Grenzübergänge offen — Zyprer und Touristen können frei hin und her. Die Wiedervereinigungsgespräche stocken, aber der Alltag an der Green Line ist erstaunlich normal geworden. Manche Zyprer beider Seiten arbeiten, kaufen ein oder essen auf der jeweils anderen Seite.