Das moderne Teneriffa
Vom Agrarland zum Tourismusgiganten
Die Transformation Teneriffas im 20. Jahrhundert ist atemberaubend. Noch in den 1950er Jahren war der Süden eine karge, wasserlose Halbwüste, in der kaum jemand lebte. Die wenigen Touristen, die kamen, besuchten Puerto de la Cruz im Norden. Dann kam der Massentourismus:
- 1960er Jahre: Bau des Flughafens Reina Sofía im Süden (1978 eröffnet, aber die Entwicklung begann früher). Die ersten Hotels entstehen in Playa de las Américas.
- 1970er–80er Jahre: Tourismus-Boom. In nur zwei Jahrzehnten wird der Süden von einer Wüste in eine Tourismusmetropole verwandelt. Hotels, Apartmentanlagen, Straßen, Wasserleitungen — alles wird aus dem Boden gestampft. Der Tourismus überholt die Landwirtschaft als wichtigster Wirtschaftszweig.
- 1990er Jahre: Qualitätsoffensive. Teneriffa versucht, vom Image des Billigurlaubs wegzukommen. Costa Adeje wird als gehobene Alternative zu Playa de las Américas entwickelt. Der Teide wird 2007 UNESCO-Welterbe.
- 2000er–heute: Teneriffa empfängt jährlich über 6 Millionen Touristen — mehr als jede andere Kanareninsel. Der Tourismus macht direkt und indirekt über 35% des BIP aus. Die Insel balanciert zwischen wirtschaftlicher Abhängigkeit vom Tourismus und dem Wunsch, Natur und Identität zu bewahren.
Herausforderungen heute
Teneriffa steht vor einem Dilemma, das viele Mittelmeer- und Atlantikinseln kennen: Overtourism. Die Mietpreise in Santa Cruz und La Laguna sind durch Ferienwohnungen explodiert, junge Kanarios können sich kaum noch Wohnungen leisten, und manche Naturgebiete (Masca, Teide) sind an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen. Gleichzeitig ist der Tourismus der wichtigste Arbeitgeber. Die Diskussion darüber, wie ein nachhaltiger Tourismus aussehen kann, prägt die politische Debatte auf der Insel.