Kolonialzeit: Portugiesen, Holländer, Briten (1505–1948)
Drei europäische Mächte kontrollierten Sri Lanka nacheinander — jede hinterließ tiefe Spuren, die bis heute sichtbar sind.
Portugiesen (1505–1658)
Die Portugiesen kamen 1505 auf der Suche nach Gewürzen — vor allem Zimt, dem „braunen Gold" Sri Lankas. Sie kontrollierten die Küstengebiete, erbauten Festungen (Colombo, Galle, Jaffna) und missionierten mit Nachdruck: Tausende Sri Lanker wurden zum Katholizismus bekehrt. Portugiesische Familiennamen (Silva, Fernando, Perera) sind bis heute die häufigsten in Sri Lanka.
Holländer (1658–1796)
Die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) verdrängte die Portugiesen und kontrollierte die Küsten für fast 140 Jahre. Sie bauten Galle Fort zu der beeindruckenden Festung aus, die heute UNESCO-Welterbe ist, legten Kanäle an (Dutch Canal in Negombo) und prägten das Rechtssystem. Das Römisch-Holländische Recht gilt in Teilen Sri Lankas bis heute.
Briten (1796–1948)
Die Briten übernahmen die Küsten von den Holländern und schafften 1815, was keiner europäischen Macht zuvor gelungen war: Sie eroberten das Königreich Kandy, das letzte unabhängige singhalesische Reich. Der letzte König, Sri Vikrama Rajasinha, wurde nach Südindien verbannt.
Die Briten transformierten die Insel grundlegend:
- Teeanbau: Ab 1867 verwandelte der Schotte James Taylor das Hochland in riesige Teeplantagen — „Ceylon Tea" wurde weltberühmt. Für die Ernte brachten die Briten tamilische Arbeiter aus Südindien, die als billige Arbeitskräfte auf den Plantagen lebten — die Vorfahren der heutigen „Hochland-Tamilen".
- Eisenbahn: Die spektakuläre Eisenbahnlinie von Colombo ins Hochland wurde gebaut, um den Tee zu transportieren — und ist heute eine der schönsten Bahnstrecken der Welt.
- Verwaltung & Bildung: Englisch als Verwaltungssprache, christliche Missionsschulen, westliches Rechtssystem.
💡 Tipp
Die koloniale Geschichte wird lebendig in Galle Fort (Holländer), den Kirchen von Negombo (Portugiesen) und den Teeplantagen von Nuwara Eliya (Briten). Wer alle drei Epochen sehen will, braucht nur eine Woche Rundreise.