Eine Arche Noah der Evolution
Neuseeland ist ein biologisches Wunder: Durch 85 Millionen Jahre Isolation (seit der Abspaltung von Gondwana) entwickelte sich eine Tier- und Pflanzenwelt, die es nirgendwo sonst gibt. Vor der Ankunft der Menschen gab es keine Landsäugetiere (außer zwei Fledermausarten) — Vögel übernahmen alle ökologischen Nischen: Pflanzenfresser, Raubtiere, Insektenfresser, sogar nachtaktive „Mäuse" (der Kakapo, ein flugunfähiger Papagei, der auf dem Waldboden lebt).
Die Vögel Neuseelands
Kiwi — Der Nationalvogel ist nachtaktiv, flugunfähig und scheu. Es gibt fünf Kiwi-Arten, alle vom Aussterben bedroht (geschätzt 68.000 Tiere). Der Kiwi hat haarartiges Gefieder, keinen sichtbaren Schwanz, einen extrem langen Schnabel mit Nasenlöchern an der Spitze (als einziger Vogel!) und legt ein Ei, das im Verhältnis zur Körpergröße das größte aller Vögel ist (bis zu 25 % des Körpergewichts — das wäre, als würde eine Frau ein 15-Kilo-Baby gebären). Wo man Kiwis sehen kann:
- Stewart Island (Rakiura): Die bei Weitem beste Chance — 95 % Sichtungsrate auf geführten Nachttouren (ab 85 NZD). Die Kiwis hier (Tokoeka) sind weniger scheu als auf den Hauptinseln und suchen sogar am Strand nach Nahrung.
- Zealandia (Wellington): Das weltweit erste vollständig eingezäunte Ökosystem mitten in der Stadt. Nachttouren (ab 85 NZD) bieten gute Chancen.
- Kiwi-Aufzuchtstationen: Te Puia (Rotorua), Kiwi Birdlife Park (Queenstown), Otorohanga Kiwi House — in abgedunkelten Gehegen, aber garantierte Sichtung.
Weka — Ein flugunfähiger, hühneregroßer Vogel mit braunem Gefieder und einer Persönlichkeit, die den Kea an Frechheit übertrifft: Weka stehlen alles, was nicht niet- und nagelfest ist — Essen, Socken, Autoschlüssel. Besonders häufig in Abel Tasman, an der Westküste und auf Stewart Island.
Tui — Ein schillernder schwarzer Vogel mit weißem Kragen und irisierenden Federn, dessen Gesang eine der komplexesten Vogelstimmen der Welt ist — er kann zwei Töne gleichzeitig singen (Syrinx mit zwei unabhängigen Stimmorganen). Tui-Gesang klingt wie eine Mischung aus Flöte, Glockenspiel und elektronischer Musik. Überall zu hören, besonders in Pohutukawa-Bäumen und Kowhai (Neuseelands Nationalblume).
Kererū — Die neuseeländische Holztaube ist mit ihrem metallisch schillernden grün-blauen Gefieder und dem weißen Brustlatz einer der schönsten Vögel des Landes — und einer der betrunkensten. Kererū fressen fermentierte Beeren und fallen dann buchstäblich betrunken von den Bäumen. Videos von beschwipsten Kererū gehen regelmäßig viral. Der Kererū wurde 2018 zum „Vogel des Jahres" gewählt (ja, Neuseeland wählt jährlich einen Vogel des Jahres — die Kampagnen sind ernsthafter als manche Wahlkämpfe).
Gelbaugen-Pinguin (Hoiho) — Der seltenste Pinguin der Welt (geschätzt nur noch 4.000 Tiere) lebt an der Südostküste der Südinsel und auf den Subantarktischen Inseln. Die beste Beobachtungsstelle ist Penguin Place auf der Otago-Halbinsel bei Dunedin — ein privates Schutzgebiet mit unterirdischen Beobachtungshütten (45 NZD). In der Dämmerung kommen die Pinguine an Land — ein magisches Erlebnis.
Hector-Delfin — Der kleinste Meeresdelfin der Welt (1,2–1,4 m) kommt nur in Neuseelands Küstengewässern vor. Die beste Chance: Banks Peninsula bei Akaroa (Swimming with Dolphins, ab 170 NZD). → Kap. Christchurch
Glühwürmchenhöhlen (Waitomo)
Die Waitomo Glowworm Caves (2,5 Stunden südlich von Auckland) beherbergen Millionen von Arachnocampa luminosa — Glühwürmchen (eigentlich Mückenlarven), die in der Dunkelheit der Höhle ein bläulich-grünes Licht erzeugen, um Beute anzulocken. Du gleitest in einem Boot lautlos durch die unterirdische Kathedrale und über dir leuchtet ein „Sternenhimmel" aus Tausenden von Glühwürmchen — absolut surreal und weltweit einzigartig. Mehrere Höhlen-Erlebnisse: Die Classic Glow Worm Tour (55 NZD, 45 Minuten, Bootsfahrt), Black Water Rafting (ab 145 NZD, 3 Stunden — du schwimmst auf einem Reifen durch die dunkle Höhle, unter dem Glühwürmchenhimmel) und Abseiling Adventures (ab 230 NZD, 5 Stunden — Abseilen in die Höhle, Klettern, Schwimmen).