Europäer & der Treaty of Waitangi
Der niederländische Seefahrer Abel Tasman erreichte 1642 als erster Europäer Neuseeland — wurde aber bei Golden Bay von Māori-Kriegern angegriffen (vier seiner Matrosen starben) und segelte weiter, ohne je an Land zu gehen. Er nannte das Land „Nieuw Zeeland" nach der niederländischen Provinz Zeeland. Erst 127 Jahre später kam James Cook 1769 und kartierte die Küsten beider Inseln nahezu vollständig — eine navigatorische Meisterleistung in nur wenigen Monaten.
Im frühen 19. Jahrhundert kamen Walfänger, Robbenjäger, Missionare und Händler. Der Kontakt mit Europäern hatte verheerende Folgen für die Māori: Eingeschleppte Krankheiten (Masern, Grippe, Typhus, Keuchhusten) töteten geschätzt 40 % der Māori-Bevölkerung. Gleichzeitig bewaffneten sich rivalisierende Iwi mit europäischen Musketen — die Musketenkriege (1807–1837) waren verheerend: Stämme, die als Erste Musketen erhielten (vor allem Ngāpuhi aus der Bay of Islands unter dem Häuptling Hongi Hika), zogen mordend durchs Land. Geschätzt 20.000–40.000 Māori starben — mehr als durch die Krankheiten.
Der Treaty of Waitangi — Neuseelands Geburtsurkunde und ewige Kontroverse
Am 6. Februar 1840 unterzeichneten über 500 Māori-Häuptlinge und Vertreter der britischen Krone den Treaty of Waitangi (Te Tiriti o Waitangi) in der Bay of Islands — Neuseelands Gründungsdokument. Das Problem, das die neuseeländische Politik bis heute prägt:
Die englische Version überträgt die volle „Sovereignty" (Souveränität) an die britische Krone. Die Māori-Version — geschrieben von dem Missionar Henry Williams, der das komplexe Konzept übersetzen musste — überträgt nur „Kāwanatanga" (Regierungsgewalt/Gouvernance), während die Māori ausdrücklich „Tino Rangatiratanga" (volle Herrschaft, Selbstbestimmung) über ihr Land, ihre Wälder, ihre Fischereien und all ihren Besitz behalten. Die Māori unterschrieben ein Dokument, das ihnen etwas anderes versprach als das, was die Briten verstanden.
Trotz des Vertrags nahmen britische Siedler in den folgenden Jahrzehnten den Großteil des Māori-Landes — durch Kauf, Konfiszierung und juristische Trickserei. Die New Zealand Wars (1845–1872) zwischen Māori und der Krone kosteten tausende Menschenleben. Das Waitangi Tribunal (seit 1975) verhandelt historische Landansprüche und hat Milliarden NZD an Entschädigungen zugesprochen — ein global einzigartiger Prozess der historischen Aufarbeitung. Der Waitangi Day (6. Februar) ist Neuseelands Nationalfeiertag — aber ein ambivalenter: Für viele Māori ein Tag des Protests und der Trauer.