Frangokastello & Sfakia — Festung und Freiheitskampf
Frangokastello (Φραγκοκάστελο, „Burg der Franken") ist einer der fotogensten Orte Kretas: Eine perfekt erhaltene venezianische Festung aus dem Jahr 1371 steht direkt am Strand, dahinter die schneebedeckten Gipfel der Weißen Berge — ein Bild von überwältigender Dramatik. Die Festung wurde gebaut, um die rebellischen Sfakioten (Bergbewohner der Region) zu kontrollieren — mit mäßigem Erfolg, denn die stolzen Sfakioten ließen sich nie unterwerfen.
Frangokastello ist umwoben von einer der faszinierendsten Legenden Kretas: Jedes Jahr im Mai, in den frühen Morgenstunden, sollen die Drosoulites erscheinen — die Schatten einer Armee, die über die Ebene vor der Festung zieht. Es handelt sich um die Geister der griechischen Freiheitskämpfer unter Hatzimichalis Dalianis, die hier 1828 im Kampf gegen die Osmanen fielen. Das Phänomen (wahrscheinlich eine Fata Morgana durch die speziellen Wetterbedingungen im Frühsommer) wird von Einheimischen und Wissenschaftlern gleichermaßen bestätigt — und bis heute nicht vollständig erklärt.
Der Strand von Frangokastello ist ein Traum: flach, sandig, warm und windgeschützt (im Gegensatz zu vielen Nordküsten-Stränden). Perfekt für Familien. Ein paar Tavernen und Pensionen runden das Bild ab — aber großen Tourismus gibt es hier nicht. Die Ruhe ist fast meditativ.
Nördlich von Frangokastello liegt die Region Sfakia (Σφακιά) — Kretas wildester und unzugänglichster Landstrich. Die Sfakioten sind legendär: Bergbewohner, die sich nie von Venezianern, Osmanen oder Deutschen unterwerfen ließen und deren Ehrbegriff, Gastfreundschaft und Unabhängigkeitsstolz bis heute sprichwörtlich sind. Chora Sfakion (Hora Sfakion), das „Hauptdorf" der Region, ist ein winziger Hafen, von dem die Fähren nach Loutro, Agia Roumeli und Gavdos ablegen. Die Imbros-Schlucht (8 km, 2–3 Stunden, leichter als Samaria) endet hier und ist eine exzellente Alternative zur überlaufenen Samaria-Schlucht.
Von Chora Sfakion aus erreicht man per Fähre auch Gavdos — Europas südlichster bewohnter Punkt, eine Insel am Ende der Welt mit wilden Stränden, Hippie-Atmosphäre und dem Gefühl, am letzten Fleckchen Erde angekommen zu sein. Fähre: 2–3× pro Woche, ca. 1,5 Stunden, ab 15€.