Die Ausbreitung des Islam (13.–16. Jh.)
Der Islam erreichte Indonesien nicht durch Eroberung, sondern durch Handel. Arabische und indische muslimische Händler brachten den Glauben ab dem 13. Jahrhundert in die Hafenstädte Sumatras und Javas. Das erste islamische Sultanat — Samudra Pasai in Nordsumatra — entstand um 1267.
Die Islamisierung verlief graduell und synkretistisch: Der Islam mischte sich mit hinduistischen, buddhistischen und animistischen Traditionen zu einer einzigartigen indonesischen Form des Glaubens. Die Wali Songo (Neun Heilige) — muslimische Missionare auf Java — nutzten Wayang-Theater, Gamelan-Musik und lokale Mythen, um den Islam zu verbreiten, anstatt lokale Traditionen zu zerstören.
Das Ergebnis ist ein Islam, der sich fundamental von der arabischen Form unterscheidet: In Java besuchen Muslime hinduistische Tempel, in Bali und den östlichen Inseln überlebten Hinduismus und Animismus, und auf Sulawesi, Flores und den Molukken breitete sich das Christentum aus. Diese religiöse Vielfalt ist bis heute ein Markenzeichen Indonesiens — und gleichzeitig eine Quelle von Spannungen.