Estallido Social 2019
Oktober 2019 — Chile explodiert
Am 18. Oktober 2019 begann der Estallido Social (soziale Explosion) — die größte Protestbewegung in Chile seit dem Ende der Diktatur. Der Auslöser war banal: eine Erhöhung des Metro-Fahrpreises um 30 Pesos (4 Cent). Die Reaktion war alles andere als banal: Millionen Chilenen gingen auf die Straße, um gegen 30 Jahre aufgestauter Ungleichheit, Privatisierung und soziale Ungerechtigkeit zu protestieren.
Der Slogan „No son 30 pesos, son 30 años" (Es geht nicht um 30 Pesos, es geht um 30 Jahre) fasste zusammen, worum es wirklich ging: Das neoliberale Wirtschaftssystem, das Pinochet eingeführt hatte, war auch nach 30 Jahren Demokratie weitgehend unverändert geblieben. Gesundheit, Bildung und Rente waren privatisiert und für viele Chilenen unerschwinglich.
Die Proteste waren friedlich und gewalttätig zugleich: Millionen marschierter friedlich, aber es gab auch Plünderungen, Brandstiftungen (Metro-Stationen wurden zerstört) und schwere Polizeigewalt. Über 400 Demonstranten verloren durch Gummigeschosse ein Auge. Die Plaza Italia in Santiago wurde zur Plaza de la Dignidad (Platz der Würde) umbenannt — ein Symbol des Protests, das bis heute lebendig ist.
Das Ergebnis: Ein Verfassungsreferendum im Oktober 2020, bei dem 78% der Chilenen für eine neue Verfassung stimmten (die alte stammte noch aus der Pinochet-Zeit). Der erste Verfassungsentwurf wurde 2022 abgelehnt, ein zweiter 2023 ebenfalls — Chile sucht weiterhin nach seinem Weg.
Für Reisende ist der Estallido Social vor allem durch die Street Art sichtbar: In Santiago, Valparaíso und anderen Städten erzählen Wandgemälde von den Protesten, den Opfern und den Hoffnungen auf ein gerechteres Chile.