Evita — Die Ikone Argentiniens
★★★ Eva „Evita" Perón (1919–1952) — Don't Cry for Me Argentina
Evita ist nicht einfach eine historische Figur — sie ist eine Ikone, ein Mythos, eine Religion. Keine andere Person hat Argentinien so tief gespalten und so leidenschaftlich bewegt. Noch heute, über 70 Jahre nach ihrem Tod, weinen Menschen an ihrem Grab, und die Debatte über sie ist so hitzig wie am Tag ihres Todes.
Das Leben:
- 1919: Eva María Duarte wird als uneheliches Kind in Los Toldos, einem Dorf in der Pampa, in bitterer Armut geboren. Fünf Geschwister, der Vater ein Estanciero, der die Familie verlässt
- 1935: Mit 15 Jahren flieht sie nach Buenos Aires, um Schauspielerin zu werden. Jahre des Hungers und der kleinen Rollen folgen
- 1944: Sie lernt Oberst Juan Domingo Perón kennen — bei einem Benefizkonzert für Erdbebenopfer. Aus der Begegnung wird die mächtigste Liebesgeschichte der argentinischen Politik
- 1945: Perón wird verhaftet und auf eine Insel verbannt. Evita mobilisiert die Gewerkschaften. Am 17. Oktober 1945 marschieren Hunderttausende Arbeiter (die „Descamisados" — Hemdlosen) auf die Plaza de Mayo und erzwingen Peróns Freilassung. Es ist der Gründungsmoment des Peronismus
- 1946: Perón wird Präsident. Evita wird — ohne offizielles Amt — zur mächtigsten Frau des Kontinents. Sie gründet die Fundación Eva Perón, die Krankenhäuser, Schulen und Sozialwohnungen baut. Sie erkämpft das Frauenwahlrecht (1947). Sie empfängt die Armen persönlich und verteilt Nähmaschinen, Häuser, Spielzeug — oft bis spät in die Nacht
- 1951: Der berühmteste Moment: Vom Balkon der Casa Rosada verkündet Evita unter Tränen den Hunderttausenden auf der Plaza, dass sie auf die Vizepräsidentschafts-Kandidatur verzichtet — sie ist bereits todkrank. Die Menge fleht sie an zu bleiben. Die Szene wurde im Musical „Evita" (Andrew Lloyd Webber) und im Film mit Madonna unsterblich gemacht
- 26. Juli 1952: Evita stirbt an Gebärmutterhalskrebs. Sie ist 33 Jahre alt. Das Land versinkt in Trauer: 3 Millionen Menschen stehen bei der Trauerfeier Schlange. 8 Menschen werden in der Masse zu Tode gedrückt. Evita wird zur Legende
Der Leichnam: Die Geschichte nach ihrem Tod ist fast noch dramatischer: Der Leichnam wurde von dem spanischen Einbalsamierer Pedro Ara so perfekt präpariert, dass er wie schlafend aussah. Als Perón 1955 gestürzt wurde, raubte die Militärregierung den Leichnam — aus Angst, er würde zur politischen Waffe. Der Körper wurde 16 Jahre lang versteckt: erst in einem Militärlager, dann in einem LKW, schließlich unter falschem Namen auf einem Friedhof in Mailand, Italien. Erst 1974 wurde er nach Argentinien zurückgebracht. Heute ruht Evita im Familienmausoleum der Duarte auf dem Cementerio de la Recoleta — in einem bombensicheren unterirdischen Gewölbe, damit nie wieder jemand ihren Körper rauben kann.
Die Spaltung: Für die eine Hälfte Argentiniens ist Evita eine Heilige — die Stimme der Armen, die Mutter der Nation, die Frau, die das Unmögliche tat. Für die andere Hälfte ist sie eine Demagogin — eine populistische Verführerin, die das Land in die Abhängigkeit vom Staat trieb. Diese Spaltung definiert Argentinien bis heute.