Neue Stadt & Vinohrady
Der Wenzelsplatz
Der Václavské náměstí (Wenzelsplatz) ist kein Platz im klassischen Sinn, sondern ein 750 Meter langer Boulevard — eine Mischung aus Champs-Élysées und Stadtplatz, gesäumt von Hotels, Kaufhäusern, Restaurants und Jugendstilfassaden. Karl IV. ließ ihn 1348 als Rossmarkt anlegen; heute ist er Prags kommerzielle Hauptachse.
Historische Bedeutung
Der Wenzelsplatz ist der Ort, an dem Tschechiens Geschichte geschrieben wurde:
- 1918: Hier wurde die Unabhängigkeit der Tschechoslowakei von Österreich-Ungarn ausgerufen.
- 1969: Der Student Jan Palach verbrannte sich hier aus Protest gegen die sowjetische Besatzung selbst. Sein Denkmal steht vor dem Nationalmuseum.
- 1989: Die Samtene Revolution — 500.000 Menschen versammelten sich hier, klirrten mit Schlüsseln und beendeten 41 Jahre Kommunismus. Václav Havel sprach vom Balkon des Gebäudes Melantrichova.
Heute ist der Platz weniger glamourös — Wechselstuben, Fast-Food-Ketten und Touristenfallen dominieren. Aber die historische Aura und das Nationalmuseum am oberen Ende machen ihn dennoch zu einem Pflichtbesuch.
Nationalmuseum & Kulturhighlights
Nationalmuseum (Národní muzeum)
Das neo-Renaissance-Gebäude am oberen Ende des Wenzelsplatzes wurde 2018 nach einer umfassenden Renovierung wiedereröffnet. Die Sammlung umfasst Naturgeschichte, Mineralogie, tschechische Geschichte und Paläontologie. Allein die Eingangshalle mit dem Treppenhaus (Marmor, Fresken, Bronzestatuen) ist den Besuch wert. Eintritt: 250 CZK (10€). Erster Montag im Monat: kostenlos.
Nationaloper (Národní divadlo)
Das Nationaltheater am Moldauufer ist Tschechiens wichtigster Kulturbau — mit Gold geschmückt, von der Nation finanziert („Národ sobě" — Das Volk sich selbst), 1883 eröffnet mit Smetanas Oper „Libuše". Opern, Ballett und Schauspiel auf Weltklasse-Niveau. Tickets: ab 100 CZK (4€) — absurd günstig für eine Staatsoper. Vorab online buchen.
Mucha-Museum
Das Museum widmet sich dem Werk von Alfons Mucha (1860–1939), dem Meister des Jugendstils: seine ikonischen Plakate für Sarah Bernhardt, seine Entwürfe für Schmuck, Glasfenster und Wandgemälde. Klein, aber fein. Eintritt: 250 CZK. Muchas monumentales Hauptwerk — das Slawische Epos (20 riesige Gemälde) — ist im Messepalast der Nationalgalerie zu sehen.
Tanzendes Haus (Tančící dům)
Das dekonstruktivistische Meisterwerk von Frank Gehry und Vlado Milunić (1996) am Moldauufer: Zwei ineinander verschlungene Glastürme, die wie ein tanzendes Paar aussehen — „Fred & Ginger" genannt. Im Obergeschoss: eine Rooftop-Bar mit einem der besten Panoramablicke über Prag. Cocktail mit Aussicht: ab 250 CZK.
Vinohrady — Das lokale Prag
Vinohrady (wörtlich: Weinberge) ist Prags Trendviertel — ein Wohngebiet mit Jugendstilfassaden, Parkanlagen, exzellenten Restaurants und Craft-Beer-Bars, das die meisten Touristen nie erreichen. Hier wohnen junge Prager, Expats und Kreative; hier gibt es die besten Restaurants und das authentischste Nachtleben der Stadt.
Warum Vinohrady besuchen?
- Náměstí Míru (Friedensplatz): Der zentrale Platz mit der neugotischen Kirche der Hl. Ludmilla und einem Wochenmarkt (Sa vormittags). Rings herum: Cafés, Restaurants und eine entspannte Atmosphäre, die sich fundamental von der Altstadt unterscheidet.
- Riegrovy sady: Der Park mit dem legendären Biergarten — Panoramablick auf die Prager Burg, ein halber Liter Bier für 45 CZK (1,80€) und Fußball auf der Leinwand. Prags bester Sonnenuntergangsplatz — und kein Tourist weit und breit.
- Restaurants & Bars: Vinohrady hat Prags beste Food-Szene: von der vietnamesischen Pho-Suppe (Prags größte Minderheit ist vietnamesisch) über Craft-Beer-Bars (Beer Geek, BeerGeek Bar & Grill) bis zu Fine Dining. Die Krymská-Straße (manchmal „Prags Brooklyn" genannt) ist die Hipster-Meile mit Gallerien, Bars und Vintage-Shops.
- Havlíčkovy sady: Der zweitgrößte Park Prags mit einem Weinpavillon (Grébovka), in dem man tschechischen Wein trinken kann — auf einer Terrasse mit Blick über die Stadt. Romantisch und lokal.
Tipp
Vinohrady ist der perfekte Ort für den Abend: Nach einem Tag in der Altstadt und auf der Burg — mit der Metro (Linie A) nach Náměstí Míru fahren, in einem Restaurant auf der Mánesova oder Vinohradská essen, dann Bier im Riegrovy-sady-Biergarten mit Burgblick. So erlebst du Prag wie die Prager.
Vyšehrad — Die andere Burg
Der Vyšehrad (wörtlich: hohe Burg) ist die ältere, ruhigere Schwester der Prager Burg — eine Festung auf einem Felsen über der Moldau, südlich des Zentrums. Der Legende nach wurde hier Prag gegründet: Prinzessin Libuše soll von diesem Felsen aus die Goldene Stadt prophezeit haben.
Was gibt es zu sehen?
- Basilika St. Peter und Paul: Die neugotische Kirche mit ihren Doppeltürmen — Vyšehrads Wahrzeichen. Im Inneren: Jugendstil-Fresken, die an Muchas Stil erinnern.
- Vyšehrad-Friedhof (Slavín): Hier ruhen Tschechiens Größte: die Komponisten Dvořák und Smetana, der Schriftsteller Karel Čapek (der das Wort „Roboter" erfand), der Maler Alfons Mucha. Ein Pantheon der tschechischen Kultur unter freiem Himmel.
- Kasematten: Unterirdische Gänge in den Festungsmauern, die als Lager und Schutzräume dienten. Führung: 90 CZK.
- Panorama: Von den Festungsmauern hat man einen atemberaubenden Blick über die Moldau, die Neustadt und bei klarem Wetter bis zur Prager Burg — ohne die Menschenmassen.
Fazit: Vyšehrad ist der perfekte Halbtagesausflug für den zweiten oder dritten Tag — wenn du die Touristenmassen der Altstadt hinter dir lassen willst. Eintritt ins Gelände: kostenlos. Metro: Linie C, Station „Vyšehrad".
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