Altstadt & Josefov
Der Altstädter Ring
Der Staroměstské náměstí (Altstädter Ring) ist der zentrale Platz Prags und einer der schönsten Stadtplätze Europas. Seit dem 12. Jahrhundert ist er das Herz der Stadt — Marktplatz, Hinrichtungsstätte, politische Bühne und heute Touristenmagnet. Der Platz wird eingerahmt von einem Architektur-Ensemble, das seinesgleichen sucht: gotische Kirchen, barocke Paläste, Renaissance-Häuser und ein monumentales Jugendstil-Gebäude.
Die Highlights des Platzes
- Altstädter Rathaus mit Astronomischer Uhr: Das Rathaus stammt aus dem 14. Jahrhundert, die Astronomische Uhr (Orloj) aus dem Jahr 1410 — damit ist sie die älteste noch funktionierende astronomische Uhr der Welt. Jede volle Stunde (9–23 Uhr) setzen sich die zwölf Apostel in Bewegung, der Tod (Skelett) läutet die Glocke, und ein Hahn kräht. Das astronomische Zifferblatt zeigt die Positionen von Sonne und Mond an. Tipp: Den Rathausturm besteigen (Aufzug vorhanden) — die Aussicht über den Platz und die Altstadt ist spektakulär.
- Teynkirche (Týn): Die gotische Kirche Unserer Lieben Frau vor dem Teyn mit ihren zwei 80 Meter hohen Türmen dominiert den Platz. Im Inneren: ein prächtiger Barockaltarraum, das Grab des Astronomen Tycho Brahe und eines der ältesten Taufbecken Prags (1414). Eintritt frei.
- Nikolauskirche (Kostel sv. Mikuláše): Die barocke Nikolauskirche an der Nordwestecke des Platzes — nicht zu verwechseln mit der berühmteren Nikolauskirche in der Kleinseite. Regelmäßige Konzerte am Abend.
- Jan-Hus-Denkmal: Das mächtige Denkmal in der Mitte des Platzes erinnert an den Reformator Jan Hus, der 1415 als Ketzer verbrannt wurde — 100 Jahre vor Luther. Hus ist Tschechiens größter Nationalheld.
Tipp
Die Astronomische Uhr ist am beeindruckendsten, wenn man sie NICHT zur vollen Stunde besucht — dann ist der Platz überfüllt und man sieht vor lauter Köpfen nichts. Komm um 15 Minuten nach der vollen Stunde, studiere das astronomische Zifferblatt in Ruhe und besteig den Rathausturm für die Aussicht.
Die Karlsbrücke
Die Karlův most (Karlsbrücke) ist Prags Wahrzeichen und eine der berühmtesten Brücken der Welt. König Karl IV. legte 1357 den Grundstein — der Legende nach am 9.7.1357 um 5:31 Uhr, weil die Zahlenfolge 1-3-5-7-9-7-5-3-1 ein Palindrom bildet und Glück bringen sollte. Der Architekt Peter Parler (der auch den Veitsdom begann) entwarf die 516 Meter lange Steinbrücke mit 16 Bögen.
Die 30 Barockstatuen
Zwischen 1683 und 1714 wurden 30 Barockstatuen auf der Brücke aufgestellt — die meisten sind heute Kopien, die Originale stehen im Lapidarium des Nationalmuseums. Die berühmteste: der Heilige Nepomuk (Statue Nr. 8 von der Altstadtseite). Die Bronze-Reliefs an seinem Sockel blank zu reiben bringt angeblich Glück und garantiert die Rückkehr nach Prag. Jeden Tag reiben Tausende Hände über die glänzende Stelle.
Die beste Zeit für die Karlsbrücke
Tagsüber ist die Brücke eine einzige Menschenmasse — Straßenmusiker, Karikaturisten, Souvenirverkäufer und Selfie-Sticks. Die magische Zeit ist der Sonnenaufgang (5:30–6:30 Uhr im Sommer): Nebel über der Moldau, goldenes Licht auf den Statuen, die Burg als Silhouette — und fast keine Menschen. Alternativ: nach 22 Uhr, wenn die Brücke beleuchtet ist und die Laternen glühen.
Die Brückentürme
An beiden Enden der Brücke stehen gotische Türme, die man besteigen kann. Der Altstädter Brückenturm gilt als einer der schönsten gotischen Türme Europas — die Aussicht von oben auf die Brücke, die Moldau und die Burg ist die ikonischste Perspektive Prags. Eintritt: 100 CZK (4€).
Achtung
Die Karlsbrücke ist — nach der Prager Tram — der Ort mit den meisten Taschendiebstählen in Prag. Im Gedränge arbeiten professionelle Gruppen. Wertsachen eng am Körper tragen, Handtasche vorne, Rucksack geschlossen. Besonders aufpassen beim Fotografieren — während du aufs Display schaust, greifen sie zu.
Josefov — Das Jüdische Viertel
Das Josefov ist das ehemalige jüdische Ghetto Prags — und eine der am besten erhaltenen jüdischen Erinnerungslandschaften Europas. Seit dem 10. Jahrhundert lebten Juden in Prag, zeitweise die größte jüdische Gemeinde Europas. Die Geschichte schwankt zwischen Duldung und Verfolgung, zwischen kultureller Blüte und Pogromen.
Das Jüdische Museum
Das Židovské muzeum umfasst sechs Synagogen, den Alten Jüdischen Friedhof und eine der umfangreichsten Sammlungen jüdischer Kunst und Geschichte weltweit. Das Besondere: Die Nazis plünderten die Synagogen nicht, sondern planten ein „Museum einer ausgerotteten Rasse" — deshalb blieben die Sammlungen erhalten. Eine grausame Ironie der Geschichte.
- Altneu-Synagoge (Staronová synagoga): Die älteste noch aktive Synagoge Europas (1270). Gotischer Bau mit einzigartiger Doppelschiff-Konstruktion. Hier soll der Golem des Rabbi Löw auf dem Dachboden ruhen — die berühmteste Prager Legende. Separater Eintritt: 200 CZK.
- Alter Jüdischer Friedhof: Zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert bestattet — auf engstem Raum, weil der Friedhof nicht erweitert werden durfte. 12.000 Grabsteine stehen dicht an dicht, übereinander geschoben, schief, mit Moos bedeckt. Darunter liegen schätzungsweise 100.000 Verstorbene in bis zu zwölf Schichten. Einer der ergreifendsten Orte Europas.
- Pinkas-Synagoge: An den Wänden stehen die Namen aller 77.297 tschechischen und mährischen Holocaust-Opfer — handgeschrieben, Name für Name, Geburtsdatum, Todesdatum, Deportationsziel. Im Obergeschoss: Kinderzeichnungen aus dem KZ Theresienstadt. Es gibt wenige Orte auf der Welt, die so sprachlos machen.
Weitere Highlights der Altstadt
Pulverturm (Prašná brána)
Der Pulverturm (1475) war einst eines der 13 Tore der Altstadtbefestigung und diente als Pulverlager — daher der Name. Heute ist er ein fotogener gotischer Turm, den man besteigen kann (186 Stufen, Eintritt 100 CZK). Die Aussicht reicht bis zur Burg.
Gemeindehaus (Obecní dům)
Prags Jugendstil-Meisterwerk: Das 1912 eröffnete Gemeindehaus ist ein Gesamtkunstwerk mit Mosaiken, Wandmalereien von Alfons Mucha, dem prachtvollen Smetana-Saal (Heimat des Prager Frühling-Festivals) und einem eleganten Café. Führung empfohlen (290 CZK) — die Innenräume sind atemberaubend.
Clementinum
Der zweitgrößte Gebäudekomplex Prags (nach der Burg) — ehemals ein Jesuitenkolleg, heute die Nationalbibliothek. Die Barock-Bibliothek mit ihren Deckenfresken und Globen ist einer der schönsten Räume der Welt (buchstäblich — sie wurde mehrfach so gewählt). Von der Sternwarte gibt es eine herrliche Aussicht. Führung: 300 CZK.
Moldau-Bootsfahrt
Eine Bootsfahrt auf der Moldau zeigt Prag von seiner schönsten Seite — besonders am Abend, wenn die Brücken und die Burg angestrahlt sind. Anbieter gibt es am Čech-Brücken-Ufer und am Slawischen Ufer (Slovanský ostrov). Eine Stunde: ab 300 CZK (12€). Mit Abendessen: ab 800 CZK.
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