El Jem
★★★ Amphitheater von El Jem (UNESCO-Welterbe)
Mitten in der tunesischen Steppe, in der verschlafenen Kleinstadt El Jem, erhebt sich eines der großartigsten Bauwerke der Antike: das drittgrößte Amphitheater der römischen Welt. Es ist nach dem Kolosseum in Rom und dem (zerstörten) Amphitheater von Capua das größte erhaltene — und in mancher Hinsicht beeindruckender als sein römisches Pendant.
Die Zahlen
| Merkmal | El Jem | Kolosseum Rom |
|---|---|---|
| Kapazität | 35.000 | 50.000 |
| Höhe | 36 Meter | 48 Meter |
| Erbaut | 238 n. Chr. | 80 n. Chr. |
| Erhaltung Fassade | ★★★★ (3 Etagen) | ★★★ (teilweise) |
| Untergeschoss | Vollständig begehbar | Offen, nicht begehbar |
| Besucher/Jahr | ~300.000 | ~7 Millionen |
Was El Jem so besonders macht: Die Fassade ist auf drei Etagen fast vollständig erhalten — drei Arkadenreihen mit korinthischen, ionischen und Kompositkapitellen übereinander. Dazu kannst du das Untergeschoss (Hypogeum) betreten, in dem einst Gladiatoren und wilde Tiere auf ihren Auftritt warteten — die Zellen, Gänge und Aufzugsschächte sind beeindruckend gut erhalten.
Die Geschichte des Amphitheaters ist ebenso faszinierend: Thysdrus (so der römische Name) war im 3. Jahrhundert eine der reichsten Städte Afrikas — reich geworden durch Olivenöl. Der Prokonsul Gordian ließ das Theater bauen, um seinen Anspruch auf den Kaiserthron zu untermauern. Er wurde tatsächlich zum Kaiser ausgerufen (238 n. Chr.), verlor aber wenige Wochen später sowohl den Thron als auch sein Leben.
Im 17. Jahrhundert schlug der Bey von Tunis eine Bresche in die Mauer, um Rebellen zu vertreiben, die sich im Amphitheater verschanzt hatten — diese Lücke ist heute der einzige sichtbare Schaden an der ansonsten perfekten Fassade.
★★ Archäologisches Museum El Jem
200 Meter vom Amphitheater entfernt liegt ein hervorragendes Museum auf dem Gelände einer ausgegrabenen römischen Villa. Die Mosaike hier sind spektakulär und weniger überlaufen als im Bardo. Besonders beeindruckend: die Afrika-Mosaike, die den Reichtum Thysdrus illustrieren, und der rekonstruierte Speisesaal einer römischen Villa mit originalen Mosaikböden.
Im Garten sind weitere Mosaike und Skulpturen ausgestellt, dazu ein zweites, älteres und kleineres Amphitheater (1. Jh. n. Chr.), das die meisten Besucher übersehen.
Praktische Infos:
- Amphitheater: 12 TND. Täglich 8:00–18:00 (Sommer 7:30–19:00). Im Sommer: El-Jem-Musikfestival (Sinfonieorchester in antiker Kulisse!)
- Museum: 7 TND (Kombiticket mit Amphitheater: 15 TND). Di–So 9:00–17:00.
- Anreise: Louage ab Sousse (1h, 2€), Zug ab Sousse (45 Min., 1,50€). El Jem ist ein perfekter Halbtagesausflug ab Sousse oder auf der Route Sousse → Sfax.
💡 Tipp
Komme zur Öffnung um 8:00 Uhr — dann hast du das Amphitheater praktisch für dich allein. Die Reisebusse treffen meist ab 10:00 Uhr ein. Im Sommer unbedingt das El-Jem-Festival besuchen: Sinfoniekonzerte unter dem Sternenhimmel in der Arena sind ein unvergessliches Erlebnis.