Arabische Eroberung & Mittelalter
Die arabische Eroberung (647–709)
Im 7. Jahrhundert erreichten die arabischen Heere Nordafrika. 670 n. Chr. gründete der Feldherr Oqba ibn Nafi die Stadt Kairouan als Militärlager — sie wurde zur ersten islamischen Hauptstadt des Maghreb und zum spirituellen Zentrum, das sie bis heute ist.
Die arabische Eroberung veränderte Tunesien grundlegend: Die Bevölkerung, die bis dahin römisch-christlich geprägt war (der Kirchenvater Augustinus stammte aus dem nahen Algerien), wurde islamisiert und teilweise arabisiert. Die Berber (Amazigh), die Ureinwohner Nordafrikas, übernahmen den Islam, behielten aber vielerorts ihre Sprache und Bräuche.
Die großen Dynastien
- Aghlabiden (800–909): Erbauer der Großen Moschee von Kairouan, der Ribate von Sousse und Monastir und der Aghlabiden-Becken. Tunesien erlebte eine kulturelle Blüte.
- Fatimiden (909–972): Gründer der neuen Hauptstadt Mahdia und eines mächtigen Kalifats, das sich später nach Ägypten verlagerte (Gründung von Kairo).
- Hafsiden (1229–1574): Die goldene Ära Tunesiens. Unter den Hafsiden wurde Tunis zur Hauptstadt und zu einem Zentrum von Handel und Gelehrsamkeit. Die Medina von Tunis erlebte ihre Blüte, die Ez-Zitouna-Universität war eine der renommiertesten der islamischen Welt.
Osmanische Periode (1574–1881)
1574 eroberten die Osmanen Tunesien. Das Land wurde zunächst als Provinz regiert, entwickelte aber bald eine weitgehende Autonomie unter lokalen Herrschern:
- Deys und Beys: Tunesien wurde de facto unabhängig regiert. Die Husseiniden-Dynastie (1705–1957) herrschte über 250 Jahre.
- Piraterie: Tunis war eine der Hochburgen der Barbaresken-Piraten, die im Mittelmeer europäische Schiffe kaperten. Der Reichtum aus der Piraterie finanzierte prachtvolle Paläste und Moscheen.
- Modernisierung: 1861 erhielt Tunesien als erstes arabisches Land eine Verfassung. Die Sklaverei wurde 1846 abgeschafft — 17 Jahre vor den USA!