Chiang Rai & der Weiße Tempel★★★
Chiang Rai, die nördlichste Großstadt Thailands, steht im Schatten ihrer großen Schwester Chiang Mai — zu Unrecht. Was Chiang Rai an Größe fehlt, macht es mit drei der außergewöhnlichsten Tempelkunstwerke Asiens mehr als wett. Hier hat die traditionelle thailändische Tempelarchitektur eine surreale, zeitgenössische Wendung genommen, die weltweit ihresgleichen sucht.
Der Wat Rong Khun (Weißer Tempel) ist das Meisterwerk des thailändischen Künstlers Chalermchai Kositpipat — und ein Kulturschock der besonderen Art. Von außen gleicht der Tempel einer Vision aus Eis und Diamanten: ganz in Weiß, mit Spiegelmosaiken besetzt, die in der Sonne blenden. Der Zugang führt über eine Brücke, unter der Hunderte steinerne Hände aus einem „Meer des Leidens" emporgreifen — eine buddhistische Darstellung der Hölle, die Dante Konkurrenz macht. Im Inneren (Fotografierverbot!) erwartet die Besucher eine Überraschung: Neben traditionellen Buddha-Darstellungen zeigen die Wandmalereien Superman, Batman, Angry Birds und brennende Twin Towers — Kositpipats Kommentar zur modernen Konsumwelt und Gewalt. Der Tempel ist ein laufendes Projekt und soll erst 2070 fertiggestellt sein.
Nur 13 km südlich liegt der Wat Rong Suea Ten (Blauer Tempel) — das leuchtend blaue Gegenstück zum weißen Tempel, entworfen von einem Schüler Kositpipats. Innen wie außen in tiefem Saphirblau gehalten, mit goldenen Ornamenten und einem strahlend weißen Buddha. Weniger bekannt als der Weiße Tempel, weniger überlaufen, und mindestens genauso fotogen. Eintritt frei.
Das dritte Wunder ist das Baan Dam Museum (Schwarzes Haus) — das Lebenswerk des kürzlich verstorbenen Künstlers Thawan Duchanee. Ein Komplex aus über 40 Gebäuden in schwarzem Teakholz, gefüllt mit einer düsteren Sammlung: Tierhäute, Knochen, Hörner, Krokodilhäute, geschnitzte Phallus-Symbole und surreale Skulpturen. Es ist das dunkle Yin zum hellen Yang des Weißen Tempels — faszinierend, verstörend, unvergesslich.
Chiang Rai selbst ist eine entspannte, fußgängerfreundliche Kleinstadt mit einem exzellenten Night Bazaar (kleiner und authentischer als Chiang Mais Version), dem sehenswerten Hilltribe Museum (Oub Kham Museum, mit goldenen Königsinsignien der Lanna-Dynastien) und einer wachsenden Café-Szene. Die Region ist auch Thailands aufstrebendes Teeanbaugebiet: Die Choui Fong Tea Plantation und die Singha Park Farm bieten Rundgänge durch spektakuläre Teeterrassen mit Bergpanorama.
💡 Tipp
Chiang Rai lässt sich als Tagesausflug von Chiang Mai machen (Bus: 3 Stunden, 180 THB), aber eine Übernachtung lohnt sich, um den Night Market zu erleben und am nächsten Tag das Goldene Dreieck (Mae Sai / Chiang Saen) zu besuchen — dort treffen Thailand, Laos und Myanmar am Mekong zusammen.
Achtung
Beim Weißen Tempel herrscht strenger Dresscode: Schultern und Knie bedeckt, keine engen oder durchsichtigen Kleidungsstücke. Am Eingang wird kontrolliert. Im Inneren des Tempels gilt absolutes Fotografierverbot — es wird durchgesetzt.