Sevilla
Sevilla ist die Hauptstadt Andalusiens und für viele die schönste Stadt Spaniens. Mit 690.000 Einwohnern ist sie groß genug für pulsierendes Stadtleben, aber kompakt genug zum Erlaufen. Die Stadt am Guadalquivir war einst das Tor zur Neuen Welt — hier starteten Kolumbus und Magellan — und dieser Reichtum spiegelt sich bis heute in monumentaler Architektur wider.
Sevilla lebt im Rhythmus seiner Feste: Die Semana Santa (Karwoche) mit ihren düsteren Prozessionen und die Feria de Abril (zwei Wochen nach Ostern) mit ihren farbenfrohen Zelten, Flamenco und Sherry gehören zu den eindrucksvollsten Festen Europas. Aber auch außerhalb der Festzeiten hat Sevilla eine Energie, die süchtig macht — Tapas-Bars bis Mitternacht, spontane Flamenco-Aufführungen und laue Sommerabende am Fluss.
Plane mindestens 3 volle Tage ein, besser 4–5. Die Stadt hat so viel zu bieten, dass Hetze hier fast ein Vergehen wäre.
💡 Tipp
Meide Juli und August — Sevilla ist dann regelmäßig die heißeste Stadt Europas mit über 40°C. Ideal sind März bis Mai und Oktober bis November. Zur Feria de Abril (April) unbedingt Unterkunft Monate vorher buchen.
Real Alcázar★★★
★★★ Real Alcázar
Der Königspalast von Sevilla ist eines der faszinierendsten Bauwerke Europas — und oft beeindruckender als die berühmtere Alhambra in Granada. Die ältesten Teile stammen aus dem 10. Jahrhundert (Abbadiden-Palast), der Höhepunkt ist der Palacio de Pedro I. aus dem 14. Jahrhundert: ein Meisterwerk des Mudéjar-Stils, bei dem christliche Könige muslimische Handwerker engagierten, um einen Palast zu schaffen, der mit den Palästen Granadas und Marrakeschs konkurrieren konnte.
Die Botschafterhalle (Salón de Embajadores) mit ihrer goldenen Halbkuppel ist atemberaubend. Die endlosen Gärten — terrassiert, mit Brunnen, Pavillons, Orangenbäumen und Pfauen — sind ein Ort, an dem man Stunden verbringen kann. Game-of-Thrones-Fans erkennen die Gärten als Dorne wieder.
Der Alcázar wird bis heute von der spanischen Königsfamilie genutzt, wenn sie in Sevilla ist — es ist der älteste noch genutzte Königspalast Europas.
Eintritt: 14,50€ (Erwachsene), frei unter 16. Oberes Stockwerk: +6€ (zeitgebundenes Ticket, lohnt sich sehr). April–September: 9:30–19 Uhr, Oktober–März: 9:30–17 Uhr. Montags ab 16 Uhr (April–Sept) bzw. ab 14 Uhr (Okt–März) kostenloser Eintritt — aber lange Schlangen.
💡 Tipp
Online-Tickets mit Zeitfenster sind Pflicht — ohne Reservierung wartest du 1–2 Stunden. Buche das erste Zeitfenster (9:30 Uhr) und gehe direkt zum Palacio de Pedro I., bevor die Gruppen kommen. Die Gärten sind nachmittags ruhiger.
Kathedrale & Giralda★★★
★★★ Kathedrale von Sevilla & Giralda
Die größte gotische Kathedrale der Welt und die drittgrößte Kirche überhaupt (nach dem Petersdom und der Basilika von Aparecida). 1401 begannen die Bürger Sevillas mit dem Bau — ihr erklärtes Ziel: „Eine Kirche so groß, dass die Nachwelt uns für wahnsinnig hält." Das ist gelungen. Das Innere ist von überwältigender Größe: fünf Schiffe, 80 Kapellen, der größte gotische Altaraufsatz der Welt (44 vergoldete Szenen) und das Grabmal von Christoph Kolumbus, getragen von vier allegorischen Figuren.
Der Glockenturm Giralda war ursprünglich das Minarett der Almohaden-Moschee (12. Jh.) — man erkennt die islamische Architektur an den Sebka-Ornamenten. Statt Treppen führen 35 Rampen nach oben (damit der Muezzin auf seinem Pferd hinaufreiten konnte). Oben wartet ein grandioser 360°-Blick über Sevilla.
Eintritt: 12€ (Erwachsene), 7€ (Studenten), frei unter 14. Mo–Sa 10:45–17 Uhr (Juli/Aug bis 16 Uhr), So 14–18 Uhr. Montags 16:30–18 Uhr kostenlos (begrenzte Plätze).
💡 Tipp
Die Kathedrale ist weniger überlaufen als der Alcázar — komm trotzdem morgens. Die Giralda-Rampen sind leicht zu gehen, auch für Kinder. Oben weht immer eine angenehme Brise, selbst im Sommer.
Triana & weitere Viertel
★★ Triana
Über die Puente de Isabel II (Puente de Triana) erreicht man Sevillas authentischstes Viertel. Triana war jahrhundertelang das Zuhause von Seefahrern, Keramikkünstlern und Flamenco-Sängern — und hat sich seinen rauen, ungeschliffenen Charme bewahrt. Hier leben die Sevillanos, die sagen: „Ich bin kein Sevillano, ich bin ein Trianero."
Der Mercado de Triana auf den Ruinen der Burg San Jorge (einst Sitz der Inquisition) ist perfekt für einen Tapas-Lunch: frischer Fisch, Ibérico-Schinken, lokale Oliven. Entlang der Calle Betis am Flussufer reihen sich Tapas-Bars und Restaurants mit Blick auf die Altstadt — besonders bei Sonnenuntergang magisch.
In den Seitenstraßen findet man die traditionsreichen Keramikwerkstätten (Azulejo-Kacheln), die Sevilla sein unverwechselbares Gesicht geben. Die Calle San Jacinto und die Calle Pureza sind die Hauptachsen des Viertels.
★★ Plaza de España
Dieser monumentale Halbkreis-Bau aus dem Jahr 1929 (für die Iberoamerikanische Ausstellung) ist Sevillas meistfotografierter Ort. 170 Meter Durchmesser, ein Kanal mit Ruderbooten (6€ für 35 Min.), 48 Keramik-Nischen, die die spanischen Provinzen darstellen, und eine Renaissance-Renaissance-Architektur, die in der Sonne golden leuchtet. Star-Wars-Fans kennen den Ort als Naboo.
Eintritt: frei, 24/7 zugänglich. Ruderboote: 6€/35 Min.
★★ Barrio Santa Cruz
Das ehemalige jüdische Viertel direkt neben dem Alcázar ist ein Labyrinth aus engen Gassen, versteckten Plätzen und blumengeschmückten Innenhöfen. Touristisch, ja — aber unwiderstehlich hübsch. Die Plaza de los Venerables und die Plaza de Doña Elvira sind die schönsten Plätze. Abends leeren sich die Gassen und man hat sie fast für sich allein.
★ Metropol Parasol (Las Setas)
Die „Pilze von Sevilla" — eine gewaltige Holzkonstruktion des Berliner Architekten Jürgen Mayer (2011) auf der Plaza de la Encarnación. Umstritten, aber beeindruckend. Im Untergeschoss ein archäologisches Museum (Antiquarium) mit römischen und maurischen Ruinen. Oben ein Aussichtssteg mit Panoramablick (5€).