Wikingerzeit (793–1066)
Die Wikingerzeit ist die Epoche, die Norwegen in der Weltgeschichte verankert hat. Zwischen 793 (Überfall auf das Kloster Lindisfarne in Nordengland) und 1066 (Schlacht bei Stamford Bridge) waren norwegische Wikinger die gefürchtetsten Seefahrer und Krieger Europas — aber auch Händler, Entdecker und Siedler.
Norwegische Wikinger waren vor allem westwärts unterwegs (im Gegensatz zu den schwedischen Warägern, die nach Osten zogen):
- Irland & Schottland: Gründung von Dublin (841), Besiedlung der Orkney- und Shetland-Inseln
- Island: Besiedlung ab 874 durch norwegische Auswanderer, Gründung des Althing (930) — des ältesten Parlaments der Welt
- Grönland: Erik der Rote gründete um 985 Siedlungen an der Südwestküste
- Nordamerika: Leif Eriksson erreichte um das Jahr 1000 als erster Europäer Nordamerika (Vinland) — fast 500 Jahre vor Kolumbus. Die archäologische Stätte L'Anse aux Meadows in Neufundland bestätigt dies.
Die Wikinger waren keineswegs nur Plünderer. Sie waren hervorragende Schiffsbauer — die drei Wikingerschiffe im Osloer Vikingskipshuset (Osebergschiff, Gokstadschiff, Tuneschiff) zeugen von einer Handwerkskunst, die in Europa ihresgleichen suchte. Sie waren Händler (Pelze, Walross-Elfenbein, Sklaven), Gesetzgeber (Thing-Versammlungen) und Geschichtenerzähler (Sagas).
Harald Hårfagre (Harald Schönhaar) gilt als erster König eines vereinten Norwegens nach der Schlacht am Hafrsfjord bei Stavanger (ca. 872). Olav Haraldsson (Olav der Heilige, regierte 1015–1028) christianisierte Norwegen und wurde nach seinem Tod in der Schlacht bei Stiklestad (1030) zum Nationalheiligen — sein Grab im Nidarosdom in Trondheim ist bis heute ein Wallfahrtsort.