Unabhängigkeit & Moderne (1814–heute)
Die wichtigsten Meilensteine der modernen norwegischen Geschichte:
1814 — Die Verfassung
Nach den Napoleonischen Kriegen musste Dänemark Norwegen an Schweden abtreten. Die Norweger nutzten die Chance: Am 17. Mai 1814 verabschiedeten sie in Eidsvoll eine eigene Verfassung — eine der liberalsten ihrer Zeit. Der 17. Mai ist bis heute Norwegens wichtigster Feiertag (Syttende Mai), gefeiert mit Kinderumzügen, Trachten und Eiscreme — kein Militäraufmarsch, sondern ein Fest der Demokratie.
1814–1905 — Union mit Schweden
Trotz eigener Verfassung wurde Norwegen in eine Union mit Schweden gezwungen. 91 Jahre lang teilte man sich einen König, behielt aber Parlament und Regierung. Es war eine Zeit des nationalen Erwachens: Die Nationalromantik entstand — Edvard Grieg vertonte norwegische Volksmelodien, Henrik Ibsen schrieb Weltliteratur, Fridtjof Nansen eroberte die Arktis, und das Nynorsk (Neunorwegisch) wurde als Alternative zum dänisch geprägten Bokmål geschaffen.
1905 — Friedliche Unabhängigkeit
Am 7. Juni 1905 löste Norwegen die Union mit Schweden auf — friedlich, per Volksabstimmung (368.208 Ja-Stimmen, 184 Nein-Stimmen). Ein dänischer Prinz wurde als Haakon VII. zum norwegischen König gewählt. Die friedliche Unabhängigkeit ist ein Kern der norwegischen Identität.
1940–1945 — Deutsche Besatzung
Am 9. April 1940 überfiel Nazi-Deutschland Norwegen. König Haakon VII. und die Regierung flohen nach London, während Vidkun Quisling eine Marionettenregierung bildete — sein Name wurde zum internationalen Synonym für Kollaborateur. Die Widerstandsbewegung war aktiv, und die Sabotage der Schwerwasserproduktion in Vemork (Telemark) verhinderte möglicherweise den Bau einer deutschen Atombombe. In Tromsø, auf den Lofoten und am Nordkap fanden wichtige Seeschlachten statt.
1969 — Das Ölwunder
Die Entdeckung des Ekofisk-Ölfelds in der Nordsee 1969 veränderte Norwegen für immer. Aus einem bescheidenen Fischerei- und Seefahrtsland wurde eines der reichsten Länder der Welt. Norwegens Geniestreich: Die Öleinnahmen werden im Staatsfonds (Government Pension Fund Global) angelegt — mit über 1,5 Billionen Euro ist er der größte Staatsfonds der Welt. Jeder Norweger ist „Ölmillionär" — zumindest auf dem Papier.
1994 & 1972 — Nein zur EU
Norwegen hat zweimal per Volksabstimmung den EU-Beitritt abgelehnt (1972 und 1994). Die Gründe: Fischereipolitik, landwirtschaftliche Selbstbestimmung, Ölreichtum und ein tiefes Misstrauen gegen Fremdbestimmung (die jahrhundertelange Union mit Dänemark sitzt tief). Norwegen ist aber Mitglied des EWR (Europäischer Wirtschaftsraum) und des Schengen-Raums.