Ethnien & Gesellschaft
Madagaskar hat 18 offiziell anerkannte ethnische Gruppen (foko), die alle die Sprache Malagasy teilen, aber unterschiedliche Traditionen, Dialekte und Lebensweisen pflegen.
Die wichtigsten Gruppen
- Merina: Hochlandvolk rund um Tana, historisch die dominante Gruppe (Königreich). Reisbau, feine Handwerkskunst, asiatisch geprägte Gesichtszüge.
- Betsileo: Südliches Hochland, bekannt als die besten Reisbauern Madagaskars. Spektakuläre Reisterrassen.
- Sakalava: Westküste, Nachfahren eines einst mächtigen Königreichs. Fischer, Viehzüchter, starker Ahnenkult.
- Antandroy: Extremer Süden, „Menschen des Dornenwalds". Extrem widerstandsfähig, Zebu-Hirten in der semi-ariden Steppe.
- Betsimisaraka: Ostküste, größte Ethnie Madagaskars. Fischer und Reisbauern.
- Antanosy & Antaimoro: Südosten, mit starkem arabischem Einfluss. Die Antaimoro stellen traditionelles Papier aus Rinde her, verziert mit getrockneten Blüten.
- Vezo: Nomadische Fischer der Südwestküste, die ihr ganzes Leben auf und am Meer verbringen. Meisterhafte Segler in Piroguen.
Fady — Tabus und Verbote
Fady sind das wichtigste Konzept der madagassischen Kultur — ein komplexes System aus Tabus und Verboten, das das gesamte soziale Leben regelt. Jede Familie, jedes Dorf und jede Region hat eigene Fady. Beispiele:
- An bestimmten Tagen darf nicht gearbeitet werden
- Bestimmte Tiere dürfen nicht gegessen werden
- An manchen Orten darf man nicht pfeifen oder bestimmte Farben tragen
- Schwangere Frauen dürfen bestimmte Dinge nicht tun oder essen
Als Reisender ist es essenziell, die lokalen Fady zu respektieren. Frag immer deinen Guide, bevor du einen heiligen Ort betrittst, ein Foto machst oder etwas tust, das lokal unangemessen sein könnte. Die Missachtung eines Fady wird als schwere Beleidigung empfunden.