Mittelalter & Venezianer (7.-18. Jh.)
Im 7. Jahrhundert wanderten die Kroaten (Hrvati) ein — woher genau sie kamen, ist bis heute umstritten (wahrscheinlich aus dem Gebiet des heutigen Südpolens/Westukraine). Sie gründeten zwei Fürstentümer: Dalmatinisches Kroatien (Küste) und Pannonisches Kroatien (Inland).
Das kroatische Königreich (925-1102)
Tomislav wurde 925 der erste kroatische König — ein Ereignis, das im nationalen Bewusstsein tief verankert ist (sein Reiterstandbild steht am Hauptbahnhof Zagreb). Das mittelalterliche Kroatien war ein eigenständiges, mächtiges Königreich mit eigener Kirche, eigenem Recht und einer Flotte, die die Adria kontrollierte. 1102 ging das Königreich eine Personalunion mit Ungarn ein (Pacta Conventa) — der Beginn von 800 Jahren Fremdherrschaft.
Die Republik Ragusa (1358-1808)
Eine bemerkenswerte Ausnahme: Dubrovnik (lateinisch Ragusa) war über 450 Jahre eine unabhängige Handelsrepublik — ein Stadtstaat, der es durch geschickte Diplomatie schaffte, zwischen den Großmächten Venedig, dem Osmanischen Reich und Ungarn zu navigieren. Ragusa war eine der reichsten Städte des Mittelmeerraums, mit einer eigenen Handelsflotte, die bis nach Indien fuhr. Die Republik schaffte den Sklavenhandel bereits 1416 ab — fast 400 Jahre vor Großbritannien. Das Erdbeben von 1667 zerstörte die Stadt fast vollständig; das barocke Dubrovnik, das wir heute sehen, entstand beim Wiederaufbau.
Venezianische Herrschaft (15.-18. Jh.)
Während Dubrovnik unabhängig blieb, geriet der größte Teil der dalmatinischen Küste und Istriens unter venezianische Kontrolle. Die Löwenreliefs des Markuslöwen sind noch heute überall zu sehen — an Stadttoren in Zadar, Šibenik, Trogir, Hvar und Korčula. Venedig brachte Architektur, Verwaltung und die italienische Sprache, die in Istrien bis heute Amtssprache ist.
Osmanische Bedrohung
Vom 15. bis 18. Jahrhundert war Kroatien die „Vormauer des Christentums" (Antemurale Christianitatis) — ein Bollwerk gegen die osmanische Expansion nach Europa. Die Militärgrenze (Vojna Krajina) zog sich quer durch Kroatien; hier siedelten die Habsburger serbisch-orthodoxe Flüchtlinge an, um die Grenze zu verteidigen — eine Entscheidung, die 400 Jahre später zum Kroatienkrieg beitragen sollte.