Jugoslawien & Tito (1918-1991)
Nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns 1918 wurde Kroatien Teil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (ab 1929: Königreich Jugoslawien). Die serbische Dominanz führte zu wachsendem Unmut — und zu einer der dunkelsten Perioden der kroatischen Geschichte.
Der Zweite Weltkrieg (1941-1945)
Nach der Besetzung Jugoslawiens durch die Achsenmächte 1941 errichteten die Nazis den „Unabhängigen Staat Kroatien" (NDH) unter der faschistischen Ustascha-Bewegung von Ante Pavelić. Das Regime verübte grauenvolle Verbrechen: Das Konzentrationslager Jasenovac war das größte von den Achsenmächten betriebene KZ in Südosteuropa. Zehntausende Serben, Juden, Roma und politische Gegner wurden ermordet. Dieses Kapitel ist bis heute ein sensibles Thema und belastet die serbisch-kroatischen Beziehungen.
Gleichzeitig kämpften die Partisanen unter Josip Broz Tito (halb Kroate, halb Slowene) gegen die Besatzung — die einzige Widerstandsbewegung Europas, die ihr Land weitgehend selbst befreite.
Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (1945-1991)
Tito schuf ein einzigartiges Modell: kommunistisch, aber blockfrei. Jugoslawien war weder im Warschauer Pakt noch in der NATO, pflegte Beziehungen zu beiden Seiten und wurde Anführer der Bewegung der Blockfreien Staaten. Kroatien war eine von sechs Teilrepubliken.
Für den Tourismus war die Tito-Ära entscheidend: Die Adriaküste wurde für westliche Touristen geöffnet, der Massentourismus begann in den 1960ern. Hotels, Campingplätze und FKK-Anlagen (Jugoslawien war FKK-Pionier!) entstanden von Istrien bis Dubrovnik. Titos persönliche Residenz auf den Brijuni-Inseln empfing Staatsgäste von Fidel Castro bis Sophia Loren.
Nach Titos Tod 1980 begann das System zu bröckeln: Die wirtschaftliche Krise, wachsender serbischer Nationalismus unter Milošević und die Demokratisierungswelle in Osteuropa führten zum unvermeidlichen Zerfall.
Achtung
Die Ustascha-Zeit (1941-45) und der Kroatienkrieg (1991-95) sind sensible Themen. Vermeidet es, diese Themen unbedarft mit Einheimischen zu diskutieren — die Wunden sind teilweise noch nicht verheilt, und die historische Bewertung unterscheidet sich je nach Perspektive erheblich.