Die isländische Küche
Die isländische Küche hat sich aus der Not der Isolation entwickelt: Jahrhundertelang mussten die Isländer mit dem auskommen, was die Insel hergab — Fisch, Lamm, Milchprodukte und wenig Gemüse. Daraus entstand eine Küche, die heute zwischen traditionellen Survival-Gerichten (manche davon berüchtigt) und einer modernen nordischen Gourmetszene pendelt, die international Aufmerksamkeit erregt.
Lamm — Islands bestes Fleisch
Isländisches Lamm ist eines der besten der Welt. Die Schafe (über 800.000 — doppelt so viele wie Einwohner!) laufen den ganzen Sommer frei auf den Bergen und ernähren sich von Wildkräutern, Moos, Blaubeeren und Gras. Das Ergebnis ist ein zartes, leicht wildes Fleisch ohne den typischen „Schaffleischgeschmack".
Im September findet der Réttir statt — der traditionelle Schafabtrieb, bei dem ganze Dorfgemeinschaften zu Pferd in die Berge reiten, um die Schafe einzusammeln und den Eigentümern zuzuordnen. Es ist eines der authentischsten kulturellen Erlebnisse Islands — Touristen können manchmal teilnehmen.
Lammgerichte, die du probieren solltest:
- Kjötsúpa: Lammsuppe mit Gemüse — DAS isländische Wohlfühlgericht. In fast jedem Restaurant und Café (ab 2.500 ISK/17€)
- Hangikjöt: Geräuchertes Lammfleisch, über Birkenholz oder Schafsdung (!) geräuchert. Dünn aufgeschnitten auf Brot oder als Hauptgericht
- Lammkoteletts: Einfach gegrillt mit Kräutern — die Qualität des Fleisches macht Gewürze fast überflüssig
- Svið: Ganzer geschmorter Schafskopf, halbiert serviert. Sieht furchteinflößend aus, ist aber ein traditionelles Festessen. Das Wangenfleisch und die Augen gelten als Delikatesse
Fisch & Meeresfrüchte
Island lebt vom Meer: Kabeljau (Þorskur), Schellfisch, Seeteufel, Lachs und vor allem Langoustine (Nephrops, eine Art Kaisergranat) sind allgegenwärtig.
- Langoustine-Suppe: DAS Muss in jedem Fischrestaurant. Cremig, reichhaltig, mit großen Stücken Kaisergranat. Am besten beim Sægreifinn in Reykjavík (2.800 ISK/19€)
- Plokkfiskur: „Gestampfter Fisch" — ein traditionelles Wohlfühlgericht aus gekochtem Fisch, Kartoffeln, Zwiebeln und Béchamelsauce. Klingt schlicht, schmeckt wunderbar
- Harðfiskur: Getrockneter Fisch (meist Schellfisch oder Kabeljau) — Islands traditioneller Snack. Dünn wie Papier, wird mit gesalzener Butter gegessen. Reich an Protein, perfekt als Wandersnack. In jedem Supermarkt (ab 600 ISK/4€)
- Lundi (Papageitaucher): Ja, er wird gegessen. Das dunkle Fleisch erinnert an Wild und wird oft geräuchert oder als Carpaccio serviert. Ethisch umstritten, aber traditionell
Hákarl — Der berüchtigte fermentierte Hai
Hákarl ist das berüchtigtste Gericht Islands und ein ultimativer kulinarischer Muttest. Es handelt sich um Grönlandhai, der 6–18 Monate in der Erde fermentiert wird. Warum? Das Fleisch des Grönlandhais ist frisch hochgiftig (es enthält Trimethylaminoxid und Harnstoff), aber durch die Fermentation wird das Gift abgebaut.
Das Ergebnis: Ein stechender Ammoniakgeruch, der an eine Mischung aus altem Käse und Reinigungsmittel erinnert, und ein „besonderer" Geschmack, der Mut erfordert. Traditionell wird er mit einem Shot Brennivín (Schwarzer Tod — Kartoffelschnaps mit Kümmel) heruntergespült.
Wo probieren? Am günstigsten und unverbindlichsten auf dem Kolaportið-Flohmarkt (Wochenende) oder im Café Loki neben der Hallgrímskirkja (Hákarl-Probierset für ca. 1.500 ISK). Mutig? Ein kleines Stück reicht — die meisten Touristen brauchen nicht mehr.
Skyr — Islands Super-Milchprodukt
Skyr ist Islands Nationalstolz — ein cremiges, eiweißreiches Milchprodukt, das zwischen Joghurt und Quark liegt (technisch: ein Frischkäse, hergestellt mit Lab und Bakterienkulturen). Die Wikinger brachten die Rezeptur vor 1.100 Jahren mit, und es wird noch heute nach traditionellem Rezept hergestellt.
Varianten: Naturskyr (pur, säuerlich), Bláberjaskyr (mit Blaubeeren — der Klassiker), Skyrcocktail (dünnflüssig, als Getränk), Skyrkaka (Skyr-Kuchen, ähnlich Käsekuchen). Am besten mit frischen isländischen Blaubeeren und einem Löffel Zucker.
Pylsur — Der isländische Hotdog
Das inoffizielle Nationalgericht: Der isländische Hotdog besteht aus einer Mischung aus Lamm-, Schweine- und Rindfleisch (das Lammfleisch gibt den besonderen Geschmack) und wird serviert mit fünf Toppings: Röstzwiebeln (cronions), rohe Zwiebeln, süßer Senf (pylsusinnep — eine isländische Eigenkreation, süßer als deutscher Senf), Ketchup und Remoulade.
Bestelle „Eina með öllu" (einen mit allem) — das ist der Standardbefehl. Die berühmteste Bude: Bæjarins Beztu Pylsur am Hafen in Reykjavík (seit 1937). Bill Clinton bestellte dort 2004 einen — ohne Senf. Die Isländer verziehen ihm nie. Preis: 590 ISK (4€).
Isländischer Kaffee
Isländer trinken extrem viel Kaffee — die Insel gehört zu den Top 3 Ländern weltweit beim Pro-Kopf-Konsum (ca. 9 kg pro Person/Jahr). Die Kaffeekultur ist exzellent, mit vielen kleinen Röstereien. In vielen Unterkünften, Tankstellen und sogar Bankfilialen gibt es kostenlosen Refill-Kaffee — die isländische Gastfreundschaft.