Modernes Griechenland (1821-heute)
Griechische Revolution (1821-1829)
Am 25. März 1821 begann der griechische Unabhängigkeitskrieg — heute Nationalfeiertag. Bischof Germanos von Patras soll in Agia Lavra die Fahne gehisst haben (historisch umstritten, aber ein mächtiges Symbol). Der Kampf war brutal: Massaker auf Chios (1822), bei dem die Osmanen Zehntausende töteten, schockierte Europa und inspirierte Eugène Delacroix zu seinem berühmten Gemälde.
Die Philhellenen-Bewegung — Freiwillige aus ganz Europa, darunter Lord Byron, der 1824 in Messolonghi starb — unterstützte die Griechen. 1827 vernichteten die vereinten Flotten von Großbritannien, Frankreich und Russland die osmanisch-ägyptische Flotte in der Schlacht von Navarino. 1829 wurde Griechenland unabhängig — allerdings nur ein kleiner Kern: der Peloponnes, Mittelgriechenland und einige Inseln.
Die Megali Idea und Gebietserweiterungen (1832-1922)
Die Megali Idea (Große Idee) — der Traum, alle griechischsprachigen Gebiete einschließlich Konstantinopels in einem Staat zu vereinen — bestimmte die Politik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Schrittweise wuchs das Land: die Ionischen Inseln (1864), Thessalien (1881), Makedonien, Kreta und Epirus (1913, nach den Balkankriegen).
1922 endete die Megali Idea in einer Katastrophe: Der griechisch-türkische Krieg (1919-1922) führte zur Niederlage in Kleinasien, der Zerstörung von Smyrna (heute Izmir) und dem Bevölkerungsaustausch von 1923: 1,5 Millionen Griechen aus Kleinasien mussten nach Griechenland umsiedeln, 500.000 Muslime gingen in die Türkei. Dieses Trauma — die Kleinasiatische Katastrophe — prägt Griechenland bis heute. Thessaloniki, Athen und Piräus veränderten ihren Charakter grundlegend durch den Zuzug der Flüchtlinge.
Weltkriege und Bürgerkrieg (1940-1949)
Am 28. Oktober 1940 antwortete Diktator Metaxas auf Mussolinis Ultimatum mit einem entschlossenen "OXI!" (Nein!) — heute der zweitwichtigste Nationalfeiertag. Griechische Truppen warfen die Italiener nach Albanien zurück — der erste alliierte Landsieg im Zweiten Weltkrieg. Doch Deutschland griff ein: Die Besatzung (1941-1944) war verheerend, besonders die Hungersnot in Athen forderte über 300.000 Tote.
Nach der Befreiung stürzte das Land in einen blutigen Bürgerkrieg (1946-1949) zwischen kommunistischen Partisanen und der Regierungsarmee (unterstützt von Großbritannien und den USA). Griechenland wurde zum ersten Schlachtfeld des Kalten Krieges — die Truman-Doktrin (1947) war eine direkte Reaktion auf die Ereignisse hier.
Militärjunta (1967-1974)
Am 21. April 1967 putschte eine Gruppe von Obristen und errichtete eine Militärdiktatur — die Junta. Sieben Jahre lang wurden politische Gegner verfolgt, Presse und Universitäten zensiert, Tausende verhaftet und gefoltert. Der Polytechnikum-Aufstand am 17. November 1973 in Athen — bei dem Studenten gegen die Junta protestierten und Panzer die Besetzung beendeten — wurde zum Symbol des Widerstands. Die Junta brach 1974 zusammen, nachdem ihr Versuch, Zypern mit Griechenland zu vereinen, eine türkische Invasion Nordzyperns auslöste — ein Konflikt, der bis heute ungelöst ist.
Demokratie und EU (1974-heute)
Seit 1974 ist Griechenland eine stabile Demokratie. Konstantinos Karamanlis führte das Land in die EG/EU (Beitritt 1981), Andreas Papandreou (PASOK) modernisierte die Gesellschaft. 2001 trat Griechenland der Eurozone bei, 2004 feierte das Land mit den Olympischen Spielen in Athen ein Comeback auf der Weltbühne.
Dann kam die Eurokrise (2010-2018): Griechenland stand vor dem Staatsbankrott, benötigte drei Rettungspakete über insgesamt 289 Milliarden Euro und durchlitt eine Depression, die das BIP um 25% schrumpfen ließ. Die Jugendarbeitslosigkeit erreichte 60%. Das Trauma sitzt tief — und die Sparmaßnahmen der Troika (EU, EZB, IWF) haben antieuropäische Ressentiments geweckt, die noch nicht ganz verschwunden sind. Seit 2019 erholt sich die Wirtschaft unter Premierminister Mitsotakis stetig, der Tourismus boomt wie nie zuvor, und Griechenland hat sich als Fernarbeit-Destination ("Digital Nomad Visa") neu positioniert.