Minoer & Mykener (3000-1100 v. Chr.)
Die europäische Zivilisation begann auf Kreta. Ab etwa 2700 v. Chr. entwickelte sich dort die minoische Kultur — benannt nach dem mythischen König Minos, der angeblich den Minotaurus in einem Labyrinth gefangen hielt. Die Minoer bauten riesige Palastkomplexe wie Knossos, Phaistos und Malia, die als erste europäische Städte gelten. Sie entwickelten zwei Schriftsysteme (Linear A und B), trieben Handel im gesamten östlichen Mittelmeer und schufen eine kunstvolle Kultur mit Fresken, die noch heute verblüffen.
Was genau die minoische Zivilisation um 1450 v. Chr. zerstörte, ist umstritten. Der Vulkanausbruch von Santorin (Thera) um 1600 v. Chr. — einer der gewaltigsten der Menschheitsgeschichte — hat die Insel buchstäblich in die Luft gesprengt und wird oft als Ursprung der Atlantis-Legende diskutiert. Ob der Ausbruch direkt oder über Tsunamis und Klimaveränderungen zum Ende der Minoer führte, ist Gegenstand lebhafter Forschung.
Auf dem Festland stiegen derweil die Mykener auf (ca. 1600-1100 v. Chr.). Ihre massiven Burganlagen in Mykene, Tiryns und Pylos mit den berühmten kyklopischen Mauern beeindrucken noch heute. Das Löwentor von Mykene (ca. 1250 v. Chr.) ist das älteste monumentale Skulpturenwerk Europas. Heinrich Schliemann grub 1876 die goldene Totenmaske des Agamemnon aus — ob sie wirklich dem legendären König gehörte, ist zweifelhaft, aber sie ist eines der ikonischsten archäologischen Fundstücke überhaupt.
Die mykenische Zivilisation brach um 1100 v. Chr. zusammen — die Gründe sind unklar (Seevölker? Erdbeben? Dürre?). Es folgten die Dunklen Jahrhunderte (ca. 1100-800 v. Chr.), eine Phase des Niedergangs, aus der schließlich das klassische Griechenland hervorging.
💡 Tipp
Das Archäologische Museum von Heraklion auf Kreta beherbergt die weltbeste Sammlung minoischer Kunst. Plane mindestens 2-3 Stunden ein — die Fresken, Goldschmuck und der berühmte Diskos von Phaistos sind atemberaubend.