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Geschichte · Abschnitt 3/3

Russisches Reich & Sowjetzeit

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Russisches Reich & Sowjetzeit

Anschluss an Russland (1801)

1783 schloss König Erekle II. den Vertrag von Georgiewsk mit Russland — ein Schutzabkommen gegen Perser und Osmanen. Doch Russland hielt sich nicht an die Bedingungen: 1801 annektierte Zar Alexander I. Ostgeorgien komplett, 1810 folgte Westgeorgien. Georgien hörte auf, als eigenständiger Staat zu existieren.

Die russische Herrschaft brachte Stabilität (keine persischen oder osmanischen Invasionen mehr), aber auch kulturelle Unterdrückung und die Abschaffung der georgischen Kirchen-Autonomie. Gleichzeitig wurde Tiflis zu einer kosmopolitischen Stadt — Russen, Georgier, Armenier, Perser und Europäer lebten nebeneinander.

Kurze Unabhängigkeit (1918–1921)

Nach der Russischen Revolution erklärte Georgien am 26. Mai 1918 seine Unabhängigkeit und gründete die Demokratische Republik Georgien — eine der ersten Demokratien der Region, mit Frauenwahlrecht und einer sozialdemokratischen Regierung. Die Unabhängigkeit währte nur drei Jahre: 1921 marschierte die Rote Armee ein und machte Georgien zur Sowjetrepublik.

Sowjetzeit (1921–1991)

Die Sowjetzeit war ein Doppelgesicht:

  • Iosseb Dschugaschwili, besser bekannt als Josef Stalin, war Georgier — geboren in Gori, 80 km westlich von Tiflis. Sein Museum in Gori ist bis heute kontrovers: ein stalinistischer Tempel, der seine Verbrechen weitgehend ausblendet.
  • Kulturelle Unterdrückung: Russifizierung, Verbot georgischer Nationalsymbole, Verfolgung von Dissidenten.
  • Industrialisierung: Georgien wurde wirtschaftlich entwickelt, erhielt Infrastruktur und Bildung auf hohem Niveau.
  • 9. April 1989: Bei einer friedlichen Demonstration für die Unabhängigkeit in Tiflis setzten sowjetische Soldaten Giftgas und Spaten gegen die Demonstranten ein — 21 Menschen starben, darunter 17 Frauen. Dieses Massaker radikalisierte die Unabhängigkeitsbewegung.

Unabhängigkeit & Rosenrevolution

Am 9. April 1991 (bewusst der Jahrestag des Massakers) erklärte Georgien seine Unabhängigkeit. Die ersten Jahre waren chaotisch: Bürgerkrieg in Abchasien und Südossetien (beide Gebiete sind de facto von Russland kontrolliert), wirtschaftlicher Zusammenbruch, Korruption unter Präsident Schewardnadse.

Am 23. November 2003 stürmte der junge Anwalt Micheil Saakaschwili mit einer Rose in der Hand das Parlament und erzwang den Rücktritt Schewardnadses — die Rosenrevolution. Es folgten radikale Reformen: Die Polizei wurde komplett neu aufgebaut (von der korruptesten zur ehrlichsten im Kaukasus), die Bürokratie digitalisiert, die Wirtschaft liberalisiert. Der Krieg mit Russland 2008 (Fünf-Tage-Krieg um Südossetien) bleibt ein Trauma.

Heute strebt Georgien in die EU und NATO — 2024 erhielt das Land den EU-Kandidatenstatus. Die politische Situation bleibt turbulent, aber der Wille zur europäischen Integration ist in der Bevölkerung überwältigend.

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