Atatürk & die moderne Türkei (ab 1923)
Mustafa Kemal Atatürk (1881–1938) — Militärbefehlshaber, Visionär, Revolutionär — ist die wichtigste Figur der modernen türkischen Geschichte. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und dem griechisch-türkischen Krieg (1919–1922) gründete er am 29. Oktober 1923 die Republik Türkei und setzte ein radikales Reformprogramm um:
- Abschaffung des Kalifats und des Sultanats — Trennung von Staat und Religion (Laizismus)
- Lateinisches Alphabet statt arabischer Schrift (1928) — über Nacht
- Gleichberechtigung der Frauen: Wahlrecht für Frauen 1934 — vor Frankreich und Italien
- Westliche Kleidungsvorschriften: Fez-Verbot, Hutpflicht für Männer
- Neue Hauptstadt Ankara statt Istanbul — als Symbol des Neuanfangs
- Nachnamen: Erst seit 1934 haben Türken Nachnamen — Mustafa Kemal erhielt den Ehrennamen „Atatürk" (Vater der Türken)
Atatürk wird in der Türkei bis heute verehrt: Sein Porträt hängt in jedem öffentlichen Gebäude, seine Büste steht auf jedem Dorfplatz, und Beleidigung seiner Person ist strafbar. Am 10. November, seinem Todestag, steht das Land um 9:05 Uhr (seine Todesuhrzeit) für eine Schweigeminute still.
Die Türkei nach Atatürk durchlief Militärputsche (1960, 1971, 1980, gescheitert 2016), wirtschaftliche Krisen und politische Spannungen zwischen Säkularismus und Islam. Seit 2003 hat die AKP unter Recep Tayyip Erdoğan die politische Landschaft grundlegend verändert. Für Reisende ist politische Diskussion ein sensibles Thema — Respekt und Zurückhaltung sind angebracht.