Geschichte Rumäniens
Die Daker und das Römische Reich
Rumäniens Geschichte beginnt mit den Dakern — einem thrakischen Volk, das im 1. Jahrhundert v. Chr. unter König Decebalus ein mächtiges Reich in den Karpaten errichtete. Die Daker waren kultiviert, bauten Festungen aus Stein (die Ruinen von Sarmizegetusa Regia sind UNESCO-Welterbe) und widersetzten sich dem Römischen Imperium.
Kaiser Trajan brauchte zwei blutige Feldzüge (101–102 und 105–106 n. Chr.), um Dakien zu unterwerfen. Die berühmte Trajanssäule in Rom erzählt die Geschichte dieser Kriege in 155 Szenen. Die römische Provinz Dacia wurde intensiv kolonisiert — und genau diese Romanisierung ist der Grund, warum Rumänisch heute eine romanische Sprache ist: eine lateinische Insel inmitten slawischer und ungarischer Nachbarn. Rumänen sind stolz darauf, Nachfahren der Römer und Daker zu sein.
Mittelalter: Drei Fürstentümer
Im Mittelalter entstanden drei rumänische Fürstentümer:
- Walachei (Țara Românească) — Im Süden, zwischen Karpaten und Donau. Berühmtester Herrscher: Vlad III. Drăculea (der Pfähler).
- Moldau (Moldova) — Im Nordosten. Unter Ștefan cel Mare (Stefan der Große, 1457–1504) erlebte die Moldau ihre Blütezeit: 34 Schlachten, davon 32 gewonnen, und die Errichtung der bemalten Klöster.
- Transsilvanien (Siebenbürgen) — Unter ungarischer, dann habsburgischer Herrschaft, mit drei „privilegierten Nationen" (Ungarn, Szekler, Sachsen), während die rumänische Bevölkerungsmehrheit jahrhundertelang kaum Rechte hatte.
Osmanische Zeit und Unabhängigkeit
Die Walachei und Moldau waren jahrhundertelang osmanische Vasallenstaaten — nie direkt besetzt (wie die Balkanstaaten), aber tributpflichtig. Die Fürsten (Voivoden) wurden oft vom Sultan eingesetzt. Erst 1859 vereinigten sich Moldau und Walachei unter Alexandru Ioan Cuza — die Geburtsstunde des modernen Rumänien. 1878 erlangte Rumänien nach dem Russisch-Türkischen Krieg die volle Unabhängigkeit.
Großrumänien und die Weltkriege
1918, nach dem Ersten Weltkrieg, entstand Großrumänien (România Mare): Transsilvanien, Bukowina und Bessarabien wurden angegliedert — das Land verdoppelte seine Fläche. Die Zwischenkriegszeit war eine kulturelle Blüte (Bukarest als „Paris des Ostens"), aber auch von politischer Instabilität geprägt. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte Rumänien zunächst an der Seite der Achsenmächte, wechselte 1944 die Seiten und fiel nach Kriegsende unter sowjetische Kontrolle.