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Kunst & Azulejos · Abschnitt 5/5

Literatur — Pessoa, Saramago & die Dichter

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Literatur — Pessoa, Saramago & die Dichter

Portugal ist ein Land der Dichter und Schriftsteller. Für ein kleines Land hat es eine erstaunlich reiche literarische Tradition, die von mittelalterlicher Troubadour-Poesie bis zur zeitgenössischen Weltliteratur reicht.

Luís de Camões (1524–1580)

Der Nationaldichter Portugals schrieb „Os Lusíadas" (Die Lusiaden) — ein Epos über Vasco da Gamas Reise nach Indien, das als größtes Werk der portugiesischen Literatur gilt. Camões war selbst Seefahrer und Soldat, verlor ein Auge in Marokko und verbrachte Jahre in Indien und Macau. Der 10. Juni (sein Todestag) ist Portugals Nationalfeiertag (Dia de Portugal). Sein Grab befindet sich im Kloster der Jerónimos in Belém.

Fernando Pessoa (1888–1935)

Pessoa ist der bedeutendste portugiesische Dichter des 20. Jahrhunderts — und einer der originellsten der Weltliteratur. Seine Besonderheit: Er schrieb nicht nur unter seinem eigenen Namen, sondern erfand über 70 Heteronyme — eigenständige fiktive Dichter mit eigener Biografie, eigenem Stil und eigener Philosophie. Die wichtigsten sind Alberto Caeiro (ein naturverbundener Schäfer), Ricardo Reis (ein klassizistischer Horaz-Epigone) und Álvaro de Campos (ein futuristischer Ingenieur). Pessoa inszenierte Debatten und Briefwechsel zwischen seinen Heteronymen.

Pessoa verbrachte fast sein gesamtes Erwachsenenleben in Lissabon, arbeitete als Handelskorrespondent und schrieb in Cafés. Das Café A Brasileira im Chiado, vor dem eine Bronzestatue Pessoas sitzt, ist eine Pilgerstätte für Literaturliebhaber. Sein ehemaliges Wohnhaus ist heute das Casa Fernando Pessoa (Museum und Bibliothek). Zu Lebzeiten veröffentlichte er kaum — sein Werk wurde erst posthum aus einer Truhe mit über 25.000 Manuskripten zusammengesetzt.

José Saramago (1922–2010)

Saramago erhielt 1998 den Nobelpreis für Literatur — als erster (und bisher einziger) portugiesischsprachiger Autor. Sein Stil ist unverkennbar: Lange, mäandernde Sätze ohne Absätze, Dialoge ohne Anführungszeichen, ein erzählerischer Sog, der einen nicht mehr loslässt.

Empfohlene Romane: „Das Memorial" (Memorial do Convento, über den Bau des Klosters von Mafra), „Die Stadt der Blinden" (Ensaio sobre a Cegueira, eine verstörende Parabel über eine Blindheits-Epidemie), „Die Reise des Elefanten" (A Viagem do Elefante, die wahre Geschichte eines Elefanten, der im 16. Jahrhundert von Lissabon nach Wien reiste).

Weitere wichtige Autoren

  • Eça de Queiroz (1845–1900) — der portugiesische Flaubert. „Die Maias" (Os Maias) ist der große Gesellschaftsroman des 19. Jahrhunderts
  • António Lobo Antunes (*1942) — gilt neben Saramago als bedeutendster lebender portugiesischer Schriftsteller. Seine Romane über den Kolonialkrieg in Angola sind erschütternd
  • Lídia Jorge (*1946) — eine der wichtigsten Stimmen der portugiesischen Gegenwartsliteratur, Finalistin des Internationalen Booker Prize 2024

💡 Tipp

Die Buchhandlung Livraria Lello in Porto (1906 eröffnet) gilt als eine der schönsten der Welt — die neogotische Fassade und die geschwungene rote Holztreppe inspirierten angeblich J.K. Rowling für Hogwarts. Eintritt 8 € (wird beim Buchkauf angerechnet). Früh morgens kommen, um Schlangen zu vermeiden.

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