Die montenegrinische Mentalität
Montenegriner haben den Ruf, stolz, gastfreundlich und entspannt zu sein — und alle drei Eigenschaften stimmen. Die Mentalität ist geprägt von der Bergkultur, der Clan-Tradition und dem jahrhundertelangen Kampf um Unabhängigkeit.
Čojstvo i Junaštvo — Ehre und Heldentum
Das Konzept „Čojstvo i Junaštvo" (wörtlich: Menschlichkeit und Heldentum) ist der moralische Kompass der montenegrinischen Gesellschaft. Es verbindet persönliche Ehre, Tapferkeit, Großzügigkeit gegenüber Gästen und Schutz der Schwachen. Ein montenegrinischer Mann (traditionell) wird nach diesem Kodex beurteilt — nicht nach seinem Reichtum. Das äußert sich im Alltag in einer unerschütterlichen Gastfreundschaft: Wer ein montenegrinisches Haus betritt, wird gefüttert, mit Rakija bewirtet und wie ein Familienmitglied behandelt. Ein Gast abzuweisen oder schlecht zu behandeln ist eine schwere Ehrverletzung.
Die montenegrinische „Faulheit"
Montenegriner erzählen gerne Witze über ihre eigene angebliche Faulheit — und es gibt sogar die humorvolle „10 Gebote der montenegrinischen Faulheit" (u.a.: „Liege statt zu stehen, schlafe statt zu liegen"). In Wirklichkeit ist diese „Faulheit" eine Lebensphilosophie: das Genießen des Augenblicks, die Weigerung, sich hetzen zu lassen, und die Überzeugung, dass Arbeit dem Leben dienen soll — nicht umgekehrt. Wer an einem montenegrinischen Café vorbeigeht, sieht Männer, die stundenlang bei einem Kaffee sitzen und diskutieren. Das ist keine Untätigkeit — das ist Lebenskunst.
Religiöse Vielfalt
Montenegro ist eines der religiös vielfältigsten Länder des Balkans: etwa 72% sind serbisch-orthodox, 19% muslimisch (vor allem Bosniaken und Albaner im Süden und Osten), und eine kleine katholische Minderheit lebt an der Küste. Diese Vielfalt ist bemerkenswert friedlich: In Kotor stehen orthodoxe und katholische Kirchen nebeneinander, in Ulcinj Moscheen neben Kirchen. Die religiöse Toleranz ist ein Erbe der montenegrinischen Geschichte — und ein Grund für den Stolz der Bevölkerung.