Osmanen, Widerstand & Freiheitskriege
Das unbesiegbare Bergland
Während die Osmanen ab dem 15. Jahrhundert den gesamten Balkan eroberten, blieb das Kerngebiet Montenegros in den Bergen rund um Cetinje eine der wenigen Regionen, die nie vollständig unterworfen wurde. Die unzugänglichen Berge, der fanatische Widerstand der Stammesgesellschaft und die Tradition des bewaffneten Kampfes machten Montenegro zum hartnäckigsten Feind des Osmanischen Reiches auf dem Balkan.
Die montenegrinische Gesellschaft war in Clans (plemena) organisiert — Stammesverbände, die autonom regierten, Blutfehden pflegten und den Kampf gegen die Osmanen als heilige Pflicht betrachteten. Der Vladika (Bischofsfürst) vereinte geistliche und weltliche Macht. Die berühmtesten Vladiken der Petrović-Njegoš-Dynastie regierten von 1697 bis 1851:
- Petar I. Petrović-Njegoš (1782–1830) — Vereinte die Stämme und schlug die Osmanen in der legendären Schlacht von Krusi (1796) vernichtend.
- Petar II. Petrović-Njegoš (1830–1851) — Montenegros Nationaldichter und einer der bedeutendsten Intellektuellen des Balkans. Sein Versepos „Gorski Vijenac" (Der Bergkranz) ist das Nationalepos Montenegros und Pflichtlektüre an jeder Schule. Sein Mausoleum auf dem Lovćen ist ein Nationalheiligtum.
Königreich Montenegro (1878–1918)
Auf dem Berliner Kongress 1878 wurde Montenegro als unabhängiger Staat international anerkannt — zusammen mit Serbien und Rumänien. Unter König Nikola I. (regierte 1860–1918) erlebte das Land eine Modernisierung: Cetinje erhielt Botschaften, Schulen, ein Theater und die erste Verfassung (1905). König Nikola — „der Schwiegervater Europas" — verheiratete seine Töchter an Königshäuser in Serbien, Russland und Italien und machte Montenegro zu einem anerkannten Mitspieler der europäischen Diplomatie.