Geschichte
Lan Xang — Das Land der Millionen Elefanten (1354–1707)
Die Geschichte von Laos als eigenständige Nation beginnt 1354, als König Fa Ngum das Königreich Lan Xang (ລ້ານຊ້າງ, „Land der Millionen Elefanten") gründete — eines der größten und mächtigsten Reiche Südostasiens. Auf seinem Höhepunkt erstreckte es sich über das heutige Laos, den Nordosten Thailands (Isan) und Teile Kambodschas und Vietnams.
Fa Ngum brachte den Theravada-Buddhismus nach Laos und den heiligen Phra Bang — eine goldene Buddhastatue, die der Stadt Luang Prabang ihren Namen gab. Das Königreich erlebte seine Blütezeit unter König Setthathirath (1548–1571), der die Hauptstadt nach Vientiane verlegte und das Nationalsymbol Pha That Luang erbauen ließ.
1707 zerfiel Lan Xang in drei rivalisierende Königreiche: Luang Prabang, Vientiane und Champasak — die von den mächtigeren Nachbarn Thailand (Siam) und Vietnam als Spielball benutzt wurden.
Französisch-Indochina (1893–1953)
1893 wurde Laos Teil von Französisch-Indochina. Die Franzosen behandelten Laos als Pufferzone zwischen dem britischen Burma und dem immer expansiveren Siam — das Land hatte für sie wenig wirtschaftlichen Wert. Sie hinterließen dennoch Spuren: Baguettes, Kaffee, Kolonialarchitektur und ein Bildungssystem, das allerdings nur einer winzigen Elite zugänglich war.
Die Franzosen vereinigten die drei Königreiche wieder und setzten den König von Luang Prabang als konstitutionellen Monarchen ein. Vientiane wurde zur Kolonialhauptstadt ausgebaut — die Boulevards, der Patuxai und die Villen stammen aus dieser Zeit.
Der Secret War (1964–1973) — Das meistbombardierte Land der Welt
Der Secret War ist das dunkelste und am wenigsten bekannte Kapitel des Vietnamkriegs. Während die Welt auf Vietnam blickte, führten die USA eine geheime Bombardierungskampagne gegen Laos — ohne Kriegserklärung, ohne Wissen des US-Kongresses:
- 9 Jahre lang (1964–1973) warfen US-Bomber im Durchschnitt alle 8 Minuten eine Bombe auf Laos ab — 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.
- 2 Millionen Tonnen Bomben insgesamt — mehr als auf Deutschland und Japan im Zweiten Weltkrieg zusammen. Laos ist das meistbombardierte Land der Welt pro Kopf.
- 270 Millionen Streubomben (Cluster Munitions) wurden abgeworfen. Jede Bombe zerfiel in Hunderte kleine „Bombies" — tennisballgroße Sprengkörper. Geschätzt 80 Millionen davon explodierten nicht und liegen bis heute als tödliche Zeitbomben im Boden.
- Ziel war die Zerstörung des Ho-Chi-Minh-Pfades, über den Nordvietnam Nachschub in den Süden transportierte. Der Pfad verlief über laotisches Gebiet.
- Gleichzeitig unterstützte die CIA die Hmong-Guerilla unter General Vang Pao im Kampf gegen die kommunistische Pathet Lao.
Die Folgen sind bis heute verheerend: Mehr als 20.000 Menschen wurden seit Kriegsende durch nicht explodierte Streumunition (UXO) getötet oder verstümmelt — viele davon Kinder, die die kleinen „Bombies" für Spielzeug halten.
Laos heute
Seit 1975 ist Laos eine sozialistische Einparteienrepublik unter der Laotischen Revolutionären Volkspartei (LRVP). Der letzte König wurde ins Umerziehungslager gebracht (und starb dort in den 1980er-Jahren). Die Wirtschaft wurde erst 1986 unter dem „New Economic Mechanism" für den Markt geöffnet. Heute ist Laos eines der ärmsten Länder Asiens, aber mit stetigem Wachstum — vor allem durch Wasserkraft (Staudämme am Mekong), Bergbau und Tourismus.