Griechisch-Orthodoxe Kirche
Etwa 95% der Griechen sind griechisch-orthodox — und die Kirche ist weit mehr als eine Religion: Sie ist Identitätsstifterin der Nation. Während der osmanischen Herrschaft bewahrte die Kirche die griechische Sprache und Kultur; Priester und Mönche waren Anführer im Unabhängigkeitskampf. Bis heute ist der Erzbischof von Athen eine öffentliche Figur, und Kirche und Staat sind formal nicht getrennt — Priester werden vom Staat bezahlt.
Im Alltag zeigt sich die Religiosität überall: Ikonen hängen in Wohnungen, Taxis und Geschäften. An Straßenrändern stehen kleine Kapellen (Proskinitaria) — Votivschreine, die an Unfälle erinnern oder Dankbarkeit ausdrücken. Auf Kreta sieht man sie an jeder Kurve. Vor dem Einsteigen ins Auto bekreuzigen sich viele Griechen. Kirchen sind tagsüber offen, und es ist völlig normal, zwischendurch kurz hereinzugehen und eine Kerze anzuzünden.
Die wichtigsten religiösen Stätten:
- Berg Athos: Autonome Mönchsrepublik mit 20 Klöstern, nur für Männer zugänglich (Diamonitirion erforderlich)
- Meteora: Klöster auf Felssäulen — eines der eindrucksvollsten Bilder Griechenlands
- Patmos: Wo der Apostel Johannes die Offenbarung schrieb (Grotte + Kloster, UNESCO)
- Tinos: Das "griechische Lourdes" — Wallfahrtsort zur Panagia Evangelistria
Praktischer Hinweis: Beim Betreten von Kirchen und Klöstern werden bedeckte Schultern und Knie erwartet. An den Eingängen großer Klöster liegen oft Tücher und Wickelröcke bereit, aber verlasse dich nicht darauf.
Achtung
Auf dem Berg Athos sind Frauen seit über 1.000 Jahren strikt verboten — auch auf den Schiffen, die näher als 500 Meter an die Küste fahren. Diese Regel wird kompromisslos durchgesetzt.